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Montag, 6. Oktober 2008
Studie: Ärztemuster als Gesundheitsrisiko für Kinder

Boston – Eine Umfrage unter US-amerikanischen Familien in Pediatrics (2008; 122: 736-742) widerlegt das von Herstellern vorgebrachte Argument, wonach kostenlose Ärztemuster vorzugsweise an unterversicherte Patienten abgegeben werden. Stattdessen stieg das Risiko, dass Kinder neuen Wirkstoffen ausgesetzt werden, die sich später als riskant herausstellten.

Ärztemuster sind ein Türöffner für Pharmareferenten. Sie können beim Arzt die Bereitschaft steigern, einen vielleicht ungeliebten Vertreterbesuch zu akzeptieren. Dem Pharmareferenten bietet sich dadurch die Möglichkeit, seine Marketing-Botschaften zu verbreiten und beim Arzt Vertrauen für spätere Kontakte zu gewinnen.

Der US-Pharmaverband „Pharmaceutical Research and Manufacturers of America“ verschleiert diese handfesten wirtschaftlichen Interessen gerne mit dem Hinweis, die Ärztemuster würden den US-Ärzten die Möglichkeit bieten, die Kinder der vielen nicht versicherten US-Amerikaner mit Medikamenten zu versorgen, die sich diese sonst niemals leisten könnten.

Das mag im Einzelfall zutreffen, doch insgesamt werden Ärztemuster nicht bevorzugt an bedürftige Eltern ausgegeben, wie Sarah Cutrona durch eine Analyse des Medical Expenditure Panel Surveys nachweist. Es handelt sich um eine Umfrage, welche die US-Centers of Disease Control and Prevention in Familien durchführt.

Im Jahr 2004 wurde in einer Stichprobe auch nach dem Erhalt von Ärztemustern gefragt. Die Mütter unterhalb einer gewissen Armutsschwelle hatten sie zu 3,8 Prozent erhalten, an Kinder aus wohlhabenden Familien waren sie zu 5,1 Prozent verteilt worden. Nicht versicherte Kinder erhielten sie seltener als Versicherte (4,5 vs. 5,1 Prozent), und der Anteil von 84,3 Prozent aller Ärztemuster, der an versicherte Kinder abgegeben wurde, spricht nicht unbedingt für eine karitative Umverteilung.

Laut Cutrona sind Ärztemuster nicht ohne Risiken, vor allem, wenn sie wie in den USA ohne Verpackung abgegeben werden. Häufig handelt es sich um neue Medikamente, deren probeweise Abgabe an die Ärzte die Bereitschaft zur späteren kostenpflichtigen Verordnung fördern soll. Bei neuen Medikamenten besteht allerdings naturgemäß die Gefahr, dass in den ersten Jahren nach der Zulassung noch Risiken erkannt werden, die Produktwarnungen nach sich ziehen.

Davon waren immerhin vier der fünfzehn im Jahr 2004 am häufigsten abgegebenen Ärztemuster betroffen, nämlich Elidel® (Wirkstoff: Pimecrolimus zur Behandlung von Ekzemen), Advair® (Wirkstoffe: Fluticason/Salmeterol zur Behandlung von Asthma), Strattera® (Wirkstoff: Atomoxetin zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) und Adderall® (Wirkstoffkombination: Amphetamin/Dextroamphetamin zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung).

Zwei der häufig gratis abgegebenen Medikamente, nämlich Adderall® und Strattera®, fallen in den USA unter das dortige Betäubungsmittelgesetz (Schedule II controlled Substances), was nach Ansicht von Cutrona die kostenlose Abgabe ebenfalls problematisch macht. © rme/aerzteblatt.de

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