München – Die weltweit erste Transplantation von zwei kompletten Armen vor etwas mehr als zwei Monaten im Klinikum rechts der Isar der TU München verläuft wesentlich besser als erwartet. Die Heilung laufe „erstaunlich gut“, berichteten am Mittwoch die behandelnden Ärzte zusammen mit dem Patienten in einer ersten Zwischenbilanz vor der Presse. Es seien bisher keine Abwehrreaktionen nachgewiesen worden. Wenn alles weiterhin so gut läuft, soll der Patient in vier bis sechs Wochen nach Hause entlassen werden.
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| Der 54-jährige Patient am Mittwoch in München |
Mit der Transplantation von zwei vollständigen Armen hatte das Klinikum am 26. Juli Neuland betreten: Einem 54-jährigen Landwirt, dem bei einem Arbeitsunfall vor sechs Jahren beide Arme auf Höhe der Oberarme abgetrennt worden waren, wurden in einer 15stündigen Operation zwei vollständige Arme transplantiert. Nie zuvor sei einem Menschen eine so große Menge an fremdem Gewebe transplantiert worden, teilte die Klinik mit.
Der Landwirt aus dem Allgäu war nach einer Fernsehsendung mit dem Wunsch nach einer Transplantation an das Klinikum herangetreten, nachdem er in den Jahren nach seinem Unfall mit verschiedenen künstlichen Prothesen nicht zurechtgekommen war.
Die Operation, an der ein rund 40-köpfiges Team beteiligt war, stand unter der Leitung von Privatdozent Christoph Höhnke, Oberarzt der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, und Edgar Biemer, dem langjährigen ehemaligen Vorstand der Abteilung für Plastische Chirurgie.
Zu den besonderen klinischen Herausforderungen der Operation gehörte, dass es sich bei den Transplantaten um Gewebe handelt, das aus verschiedenen, immunologisch reagierenden Komponenten wie Haut und Knochenmark besteht. Immunkompetente Zellen in der Haut können eine starke Wirt-gegen-Transplantat-Reaktion auslösen, während das Knochenmark in den Röhrenknochen der beiden Arme zugleich eine Transplantat-gegen-Wirt Reaktion auslösen kann, berichtete der Leiter der Transplantationsabteilung Privatdozent Manfred Stangl.
Die immunsuppressive Therapie, bestehend aus Thymoglobulin, Prograf, CellCept, Kortison sowie Protopic Salbe, kombiniert daher die Standards der medikamentösen Behandlung nach einer Organ- sowie nach einer Knochenmarkstransplantation. Das Immunmonitoring erfolgt engmaschig und umfasst Hautbiopsien, HLA Typisierungen, Antikörperbestimmungen und die Zellaktivierung. Nachdem bisher keine Abwehrreaktionen nachgewiesen wurden, konnte die Dosierung der immunsuppressiven Therapie kontinuierlich reduziert werden. Mit Abwehreaktionen müsse jedoch weiterhin gerechnet werden, hieß es.
Ein weiteres Ziel der Behandlung ist es, die Regeneration der Nerven zu fördern und eine Degeneration der Muskulatur zu verhindern. Dafür absolviert der Patient täglich ein umfangreiches Programm mit Krankengymnastik und Elektrostimulation der Muskulatur.
Mithilfe einer speziellen neurocognitive Therapie soll er „lernen“, dass er wieder Arme hat. Ob die Regeneration der Nerven Erfolg hat, lässt sich frühestens in anderthalb bis zwei Jahren sagen, da die Axone nur etwa ein Millimeter pro Tag in das Transplantat einwachsen. Auch hier sind die Ärzte optimistisch: Der Patient berichtet bereits von einem ersten „Kribbeln“ im Oberarm unterhalb der Narben.
Da der Patient seine beiden Arme noch nicht allein tragen kann, ist er auf ein eigens konstruiertes Tragegestell angewiesen, das einem Wasserträgerjoch ähnelt. Damit könne er sich jedoch bereits relativ frei bewegen, berichtete der 54jährige. Türen könne er schon selbstständig öffnen und auch den Lichtschalter oder eine Fernbedienung für das Fernsehgerät bedienen. Beim Umblättern der Zeitung und beim Essen sei er allerdings noch auf Hilfe angewiesen. Er könne sich gar nicht mehr vorstellen, ohne seine neuen Arme zu sein, sagte der Mann: „Ich gebe sie nicht mehr her“. © Sto/aerzteblatt.de