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Montag, 27. Oktober 2008
Rhinoviren: Zehntausend Gene kämpfen gegen den Schnupfen an

Calgery – Die scheinbar harmlosen Rhinoviren lösen in der Nasenschleimhaut eine Abwehrreaktion aus, an der einer Studie im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine (2008; 178: 962-968) zufolge fast 12.500 Gene beteiligt sind. Es handelt sich um die erste Genexpressionsstudie zur wohl häufigsten Infektion des Menschen, der Rhinitis, zu deutsch dem gemeinen Schnupfen. Er wird zu 40 bis 50 Prozent von Rhinoviren ausgelöst. Der Rest verteilt sich auf schätzungsweise 200 andere Viren. 

Rhinoviren seien keineswegs so harmlos, wie sie immer dargestellt würden, sagt David Proud von der Universität Calgery. So würden wiederholte Rhinovirusinfektionen in der frühen Kindheit das Risiko späterer Asthmaerkrankungen verzehnfachen. Rhinoviren seien auch häufig die Auslöser von Asthmaattacken und von Exazerbationen der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Es gibt demnach durchaus Gründe für eine wissenschaftliche Erforschung, woran auch der Sponsor Procter & Gamble, Hersteller von rezeptfreien Mitteln gegen Erklärungskrankheiten glaubt, der die Studie finanzierte.

In einem wissenschaftlichen Experiment wurden 35 Studenten absichtlich entweder mit Rhinovirus 16 oder zum Schein infiziert. Nach acht und 48 Stunden wurde die Genaktivität in den Schleimhautzellen der Nase untersucht. Während nach acht Stunden noch keine Veränderungen festgestellt wurden, war 48 Stunden nach der Inokulation die Aktivität von 11.887 Genen entweder gesteigert oder vermindert.

Proud unterteilt die Reaktion in zwei Gruppen: Eine Gruppe von Genen steigerte die Bildung von proentzündlichen Genen, die andere Gruppe von Genen bildete antivirale Substanzen. Dazu gehört auch ein vor wenigen Jahren entdecktes Molekül, das als Viperin (virus inhibitory protein, endoplasmic reticulum-associated, interferon-inducible) bezeichnet wird und in welchem der Hersteller, so möchte man unterstellen, ein mögliches Medikament zur Behandlung der Rhinitis sehen mag, zumal frühere Untersuchungen gezeigt haben, dass Viperin auch bei grippalen Infekten vermehrt exprimiert wird.

In vitro-Studien der Autoren zeigen, dass die Viperin-Bildung nach der Infektion um den Faktor 6,5 gesteigert ist. Ihre Zellkulturen belegen, dass Viperin die Vermehrung von Rhinoviren stoppt: Wurde die Viperinbildung blockiert, kam es zu einer vermehrten Bildung von Viren und umgekehrt.

Dass Viperin als Medikament zur Behandlung von Schnupfen eingeführt wird, dürfte aber eher unwahrscheinlich sein. Es handelt sich um ein Protein aus mehreren hundert Aminosäuren, das gentechnisch hergestellt werden müsste, und dessen Kosten sicherlich für die Anwendung beim Schnupfen zu hoch sein dürfte. © rme/aerzteblatt.de

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