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Mittwoch, 5. November 2008
Brustimplantate als Lymphomrisiko

dpa

Amsterdam – Epidemiologen des Niederländischen Krebsinstituts haben eine Häufung von seltenen Non-Hodgkin-Lymphomen bei Trägerinnen von Brustimplantaten aus Silikon entdeckt. Ihre Fallkontrollstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2008; 300: 2030-2035) wird aber nicht als Beweis eines kausalen Zusammenhangs gewertet.

Der Anteil des großzelligen anaplastischen T-Zell-Lymphoms (ALCL) an den Non-Hodgkin-Lymphomen beträgt nur etwa 0,5 bis drei Prozent. Es handelt sich demnach um eine sehr seltene (aber oft tödliche) Neoplasie, die noch seltener ihren Ausgang von der weiblichen Brustdrüse nimmt.

Die Berichte von zwei ALCL in der fibrösen Kapsel in der Umgebung von Brustimplantaten erregten deshalb den Verdacht des Nederlands Kanker Instituuts, dessen Mitarbeiterin Daphne de Jong daraufhin die Datenbank PALGA (Pathologisch Anatomisch Landelijk Geautomatiseerd Archief) der niederländischen Pathologen nach weiteren Lymphomen in der Brust durchsuchte.

Sie stieß auf elf Fälle aus den Jahren 1994 bis 2006, von denen fünf bei Trägerinnen von Silikonimplantaten auftraten. Das ist mehr als durch Zufall zu erwarten wäre. Eine Fall-Kontrollstudie zeigte ein um den Faktor 18,2 erhöhtes Risiko von Brustimplantatträgerinnen auf ein ALCL, wobei das 95-Prozent-Konfidenzintervall mit 2,1 bis 156,8 sehr weit ist. Selbst wenn ein kausaler Zusammenhang bestehen würde, wäre das absolute Risiko für eine Implantatträgerin mit 0,1-0,3/100.000 Frauen sehr gering.

Die Editorialisten Andrew Evens und Brian Chiu von der Northwestern Universität in Chicago sprechen von einem „vorläufigen“ und „hypothesengenerierenden“ Befund (JAMA 2008; 300: 2059-2061). Sie halten einen kausalen Zusammenhang jedoch nicht für ausgeschlossen. Silikon sei immunogen und die ALCL bestünden aus Zellen, die normalerweise an der Immunabwehr beteiligt sind.

Die Forscher suchen seit Jahren nach Gründen für den Anstieg von Non-Hodgkin-Lymphomen, deren Inzidenz zwischen 1975 und 1991 um 80 Prozent zugenommen hat. Die Zahl der T-Zell-Lymphome, zu denen auch ALCL gehört, ist zwischen 1992 und 2001 sogar um vier Prozent pro Jahr gestiegen, was sich nicht allein auf die HIV-Epidemie zurückführen lässt, die – wie auch andere Erkrankungen –  mit einer Schwächung der Immunabwehr einhergehen, die ein wichtiger Risikofaktor für Non-Hodgkin-Lymphome sind. © rme/aerzteblatt.de

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