Prahran – Die Applikation von Testosteron über ein transdermales Pflaster kann bei postmenopausalen Frauen die Libido steigern. Zu den Risiken gehört nach einer randomisierten kontrollierten Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2008; 359: 2005-2017) nicht nur ein Hirsutismus, sondern möglicherweise auch eine erhöhte Rate von Brustkrebserkrankungen.
Die Therapie mit einem Testosteronpflaster ist derzeit nur für Frauen zugelassen, bei denen es nach beidseitiger Oophorektomie und Hysterektomie zu einer Menopause gekommen ist. Das Pflaster darf derzeit nur eingesetzt werden, wenn begleitend Östrogene eingenommen werden. Im Prinzip sollte das Medikament die Libido auch bei Frauen nach der Menopause steigern.
Da diesen Frauen heute aber in der Regel von der langfristigen Einnahme von Östrogenen (frühere Hormonersatztherapie) abgeraten wird, ist der Einsatz des Testosteronpflasters mit einem Fragezeichen zu versehen. Mit der “A Phase III Research Study of Female Sexual Dysfunction in Women on Testosterone Patch without Estrogen” oder APHRODITE-Studie wollte der Hersteller jetzt Sicherheit und Effektivität seines Präparats in dieser Gruppe zeigen.
An 65 Zentren in Australien, Europa und Nordamerika nahmen 814 postmenopausale Frauen an der Studie teil. Zweimal wöchentlich wechselten sie ihr Pflaster, das entweder Testosteron (in zwei unterschiedlichen Dosierungen) freisetzte oder nicht (Placebo). Primärer Endpunkt war die Zahl der als befriedigend empfundenen sexuellen Episoden.
Eine signifikante Steigerung um 2,1 Episoden/vier Wochen (gegenüber 0,7 Episoden/vier Wochen unter Placebo) wurde nur in der höheren Dosierung von 300 µg/die erzielt, berichten Susan Davis von der Monash Universität in Prahran bei Melbourne. Unter der Dosierung von 150 µg/die kam es nur zu einer nicht signifikanten Steigerung um 1,2 Episoden/vier Wochen. In beiden Gruppen berichteten die Frauen über eine Steigerung der Libido.
Die androgenen Nebenwirkungen der Hormone waren in der Regel mild und bestanden in erster Linie in einem vermehrten Haarwuchs (Hirsutismus). Akne, Änderung der Stimmlage oder eine Alopezie traten nicht häufiger auf als im Placeboarm.
Dennoch mag Julia Heiman vom Kinsey Institute an der Indiana University in Bloomington die Libido-Pflaster nicht uneingeschränkt empfehlen. Bedenken hegt die Expertin im Editorial (NEJM 2008; 359: 2047-2049) einmal wegen der durch die Therapie erzielten supraphysiologischen Testosteronkonzentrationen im Blut, die sich im oberen Bereich der Normalwerte für prämenopausale Frauen bewegten und manchmal auch darüber lagen.
Am meisten beunruhigt sie aber das Auftreten von vier Brustkrebserkrankungen unter den Anwenderinnen des Testosteronpflasters, von denen die Autoren der APHRODITE-Studie eine Erkrankung nicht als mögliche Komplikation werten, da die Frau auf Nachfragen hin angab, ihre Symptome (blutiger Ausfluss auf der Brustwarze) hätten bereits vor Therapiebeginn bestanden.
Bei den anderen drei Frauen wurden die Tumoren vier, sieben und zwölf Monate nach Therapiebeginn entdeckt. Die Erkrankungsrate war nicht signifikant erhöht, und es könnte sich um einen Zufallsbefund handeln. Die Bedenken gegen die Therapie dürften aber – auch angesichts einer begrenzten Wirkung – bei vielen Experten überwiegen. © /rme/aerzteblatt.de