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Montag, 1. Dezember 2008
Südafrika: Umorientierung in der Aids-Politik

Pretoria – Ärzte und Patienten in Südafrika haben mit Erleichterung auf Ankündigungen des südafrikanischen Gesundheitsministeriums reagiert, wonach das Land mit einer der weltweit höchsten Anzahl HIV-infizierter Patienten in Zukunft „neue Wege im Kampf gegen die Immunschwäche“ gehen wird. Anstatt wie bisher den Kopf in den Sand zu stecken und einen Zusammenhang zwischen HIV-Infektionen und Aids zu bestreiten, werde Südafrika zukünftig „mit internationalen Hilfsorganisationen zusammenarbeiten“, um Patientenleben zu retten, hieß es aus Regierungskreisen in Pretoria.

Bislang sind in Südafrika laut Schätzungen der US-amerikanischen Havard Universität „mehr als 2,5 Millionen Patienten an Aids gestorben“. Täglich kommen schätzungsweise rund 600 neue Aids-Tote hinzu. Der ehemalige Regierungschef Thabo Mbeki hatte einen Zusammenhang zwischen HIV-Infektionen und AIDS bestritten. Stattdessen hatte Mbekis Gesundheitsminister Manto Tshabalala-Msimang Ärzte und Patienten aufgefordert, Pflanzensäfte zu trinken und sich traditionellen Geisterheilern anzuvertrauen. Kombinationstherapie war nach Ansicht der Regierung Mbeki der falsche Ansatz. Das kostete nach Ansicht ärztlicher Berufsverbände rund 365.000 Patienten zusätzlich das Leben, die mit Kombinationstherapie heute hätten noch leben können. Seit dem Regierungswechsel im September 2008 zeichnet sich jetzt eine Umorientierung an. In Südafrika, das mit rund 5,5 Millionen Infizierten die weltweit höchste HIV-Rate hat, beendete die Regierung am Montag demonstrativ ihre bisherige Strategie des Verschweigens und Verharmlosens. Gesundheitsministerin Barbara Hogan rief die Bevölkerung auf, traditionelle Bedenken zu überwinden und sich freiwillig auf HIV testen zu lassen. Nur gemeinsam lasse sich der Kampf gegen Aids gewinnen, sagte Hogan.

Krankenhäuser erhalten Geld, um Kombinationspräparate zu beschaffen und seropositive Patiente damit zu therapieren. Kürzlich versprach Großbritannien Südafrika umgerechnet rund 18 Millionen Euro Finanzhilfe, um das neue Kombitherapie-Programm der Regierung zu unterstützen. Mit dem Geld sollen unter anderem Arzneimittel gekauft und Präventivmaßnahmen finanziert werden. © KT/aerzteblatt.de

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