© Deutsches Ärzteblatt; Deutscher Ärzte-Verlag GmbH
zur ersten Politik-Nachricht zur vorherigen Politik-Nachricht zur nächsten Politik-Nachricht zur letzten Politik-Nachricht (4)
Montag, 12. Oktober 2009
Schmidt: Keine Bevorzugung von Soldaten bei Schweinegrippe

Luxemburg – Bundes­gesundheits­ministerin Ulla Schmidt (SPD) hat Vermutungen zurückgewiesen, Bundeswehrsoldaten erhielten bessere Impfstoffe gegen die Schweinegrippe als andere Bürger. „Alle Impfstoffe sind sicher“, sagte Schmidt am Montag am Rande eines Sondertreffens der EU-Gesundheitsminister in Luxemburg. „Die Aufregung, die da heute entstanden ist, ist mit überhaupt nichts zu rechtfertigen“, sagte die Ministerin.

Nach Angaben des Bundeswehr-Sanitätsdienstes ist das für die Streitkräfte vorgesehene Serum des Pharmaherstellers Baxter frei von bestimmten Zusatzstoffen und somit verträglicher. Auch Schmidt räumte ein, dass Schwangeren dieser besser verträgliche Wirkstoff empfohlen werde.

Vor einem Einsatz im Ausland bekämen die Soldaten je nach den dortigen Ansteckungsmöglichkeiten oftmals gleich eine ganze Reihe von Impfungen. Um ihre Gesundheit zu schützen und „die Durchhaltefähigkeit sicherzustellen“, erhielten sie einen „sehr umfassenden Impfschutz, der weit über die Erfordernisse im Inland hinausgeht“, erklärte der Sanitätsdienst.  

Dabei sei es erforderlich, auf die wechselseitige Verträglichkeit mit anderen Impfstoffen zu achten. Wären zum Beispiel überall Zusatzstoffe enthalten, „und die kumulieren sich und vertragen sich nicht miteinander“, werde es problematisch, sagte ein Sprecher.

Daher habe die Bundeswehr einen Impfstoff ohne Konservierungsstoff sowie sogenannte Adjuvanzien – bestimmte Verstärkersubstanzen im Impfstoff – bestellt. „Wir sind nicht was Besseres, sondern wir sind was Anderes“, sagte der Sprecher des Sanitätsdienstes.

Die Bestellung eines eigenen Kontingents stehe im Einklang mit dem nationalen Pandemieplan Deutschlands. Dieser setze die Bundeswehr „in Eigenvollzugskompetenz“. Daher habe sie bei dem Pharmahersteller Baxter den Impfstoff Celvapan bestellt, mit der bereits seit der drohenden Gefahr einer Vogelgrippe-Pandemie vor einigen Jahren ein entsprechender Vertrag bestanden habe. Das Serum sei bereits geordert worden, noch bevor die Bundesländer bei mehreren Herstellern ihre 50 Millionen Impfdosen bestellt hatten.

Der Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, Thomas Raabe, sagte vor Journalisten in Berlin, innerhalb der Streitkräfte hätten Soldaten in oder vor Auslandseinsätzen Priorität, weil die Gefahr dort als größer eingeschätzt werde als im Inland. 

Der Virologe Alexander Kekulé warf den Ländern dagegen vor, den falschen Impfstoff bestellt zu haben. Der Wirkstoff für die Zivilbevölkerung enthält nach seinen Angaben ein sogenanntes Adjuvans - einen Wirkungsverstärker - mit erheblichen Nebenwirkungen. Dieses Mittel sei gegen die Schweinegrippe "völlig übertrieben", sagte Kekulé dem Sender MDR Info. Das von der Bundeswehr bestellte Serum habe dagegen weniger Nebenwirkungen und sei besser geeignet.  

Die EU-Gesundheitsminister einigten sich unterdessen auf einen Hilfsmechanismus für Mitgliedsstaaten, die einen Engpass an Impfstoffen haben. Die EU-Kommission soll Gruppen-Bestellungen bei der Pharmaindustrie auf den Weg bringen.

Nach Angaben von EU-Diplomaten haben fünf Mitgliedsstaaten Schwierigkeiten bei der Impfstoffbeschaffung, unter ihnen die drei Baltenstaaten sowie Bulgarien und Malta. Schmidt nannte es „denkbar”, dass Deutschland EU-Ländern in Schwierigkeiten überzählige Impfstoffe zur Verfügung stellen könnte.

EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou zeigte sich in Luxemburg erleichtert über den relativ günstigen Verlauf der Grippeepidemie. „Wir müssen auf das Schlimmste vorbereitet sein – und hoffen, dass das Schlimmste nicht eintritt”, sagte sie.

In einer internationalen Solidaritätsaktion sollen in den kommenden vier bis fünf Monaten zudem knapp hundert Entwicklungsländer Impfstoffe von der Pharmaindustrie sowie von Industrieländern zur Verfügung gestellt bekommen. Damit könnten in den armen Ländern bis zu zwei Prozent der Bevölkerung geimpft werden, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf mit. © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare
Benutzername
Passwort

Um Nachrichten kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.



Starmoon am Mittwoch, 14. Oktober 2009, 10:19
Frau Schmidt: hatte das gewisse Etwas
Und sie hat täglich dazugelernt. Aber - und das ist das eigentliche Drama - das wollte keiner so recht glauben. Also hat sie´s lassen.
adonis am Mittwoch, 14. Oktober 2009, 07:45
Die Taliban setzen nun Schweinegrippe ein!!!
Eilmeldung aus Kundus. Wir brauchen Verstärkung!!!
rostm am Montag, 12. Oktober 2009, 22:28
Uns Ulla
Klar, dass uns Ulla mit ihrer Ausbildung als Sonderschullehrerin so etwas besser beurteilen kann als ein Virologe, der sowas studiert hat. So ein Studium macht doch sehr engstirnig, und man verliert den Blick aufs übergeordnete Ganze, das heißt auf die Gewinne der Pharmaindustrie.
Ich bin mal gespannt, bei welcher Firma uns Ulla nach dem Regierungswechsel anheuert.
MZ1706 am Montag, 12. Oktober 2009, 22:21
sicherer Impfstoff??
Wie kann Frau Schmidt (und die pharmazeutischen Hersteller) einen Impfstoff als sicher und wirksam bezeichnen, der in keinster Weise getestet wurde?
Archiv
Aktuelle Kommentare
Merkliste
In Ihrer Merkliste können Sie News und Artikel speichern und später wieder aufrufen. Registrieren Sie sich, können Sie Ihre Merkliste dauerhaft speichern.
RSS-Feed

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

RSS