aerzteblatt.de 12. April 2007


http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/28126/


Politik
Frankfurter Heroin-Projekt wird fortgesetzt

Frankfurt/Main - Das in der großen Koalition umstrittene Pilotprojekt zur kontrollierten Heroinabgabe an Schwerstabhängige in sieben deutschen Großstädten darf zumindest in Frankfurt am Main weitergeführt werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte kündigte heute an, einen Antrag der Stadt, das Projekt weitere drei Jahre fortzusetzen und zugleich auf 150 Teilnehmer auszuweiten, zu genehmigen.

Institutschef Reinhard Kurth begründete diese Entscheidung auf ddp-Anfrage mit den positiven Erfahrungen des Projekts. Es liege im „öffentlichen Interesse“, dass die Behandlung von Schwerstabhängigen mit dem synthetisch hergestellten Heroin Diamorphin weitergehe.

Kurth verwies auch auf eine neue Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, wonach Patienten Anspruch auf eine optimale Therapie hätten. Die Studie zur kontrollierten Heroinabgabe habe gezeigt, dass die Verabreichung von Diamorphin der von Methadon überlegen sei. Durch die Therapie habe eine soziale Stabilisierung der Betroffenen erreicht werden können, außerdem sei die Beschaffungskriminalität zurückgegangen.

Kurth fügte hinzu, wenn die anderen sechs Großstädte ebenfalls Anträge stellten, werde auch dort eine Verlängerung genehmigt. An dem Drogen-Pilotprojekt hatten sich neben Frankfurt auch Köln, Bonn, Hamburg, Hannover, Karlsruhe und München beteiligt.

In Frankfurt am Main erhalten Heroin-Schwerstabhängige seit vier Jahren unter ärztlicher Aufsicht das künstlich hergestellte Heroin-Präparat Diamorphin. Nach Einschätzung der Stadtverwaltung sind die Ergebnisse des Projekts eindeutig positiv. Bislang gründet sich jede kontrollierte Heroinabgabe auf eine Ausnahmegenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte. Drei Mal wurde das Projekt um jeweils ein halbes Jahr verlängert, zuletzt bis Ende Juni dieses Jahres.

Für einen bestimmten Personenkreis, betont man beim Gesundheitsdezernat der Stadt Frankfurt, sei die kontrollierte Abgabe von Heroin der einzig Erfolg versprechende Therapieeinstieg und habe sich längst bewährt. Die Stadt begann den Modellversuch 2003 mit knapp 100 Drogenabhängigen. Momentan betreut die Heroinambulanz noch 59 Klienten. Bei der Stadt wünscht man sich, den Kreis auf bis zu 150 Klienten auszuweiten.

Fast alle der Frankfurter Studienteilnehmer haben nach Angaben des Gesundheitsdezernats eine Wohnung gefunden, obwohl viele zuvor obdachlos gewesen seien. Einige hätte sogar eine Arbeitsstelle angetreten. Die Studie habe auch in den anderen Städten gezeigt, dass eine stabilere soziale Situation der Drogenabhängigen die entsprechende Kriminalitätsrate senke. © ddp/aerzteblatt.de

aerzteblatt.de


© Deutsches Ärzteblatt