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Psychotherapeuten: Erhöhtes Risiko für Burn-out und Suizid

PP 13, Ausgabe Dezember 2014, Seite 570
Referiert
MS

Personen, die Menschen mit psychischen Erkrankungen behandeln, wird nachgesagt, selbst psychisch instabil zu sein. Ob dieses Vorurteil zutreffend ist, hat die Psychologin Kirsten von Sydow von der Psychologischen Hochschule Berlin anhand einer Literaturrecherche untersucht. Sie stellte zunächst fest, dass die Thematik ein Tabuthema ist und kaum erforscht wird. Außerdem fand sie heraus, dass vor allem Studien aus den USA vorliegen – über die Verhältnisse in Deutschland lässt sich daher kaum etwas aussagen.

Wie aus zehn Publikationen hervorging, haben Therapeuten – wie andere Menschen auch – psychische Krisen, Störungen und Partnerschaftsprobleme. Als gut belegt gelten ein erhöhtes Suizidrisiko und hohe Burn-out-Werte. Viele Behandler wurden durch negative Kindheitserlebnisse dazu angeregt, helfende Berufe zu ergreifen. Sie erlebten beispielsweise ihre Eltern als psychisch belastet und wenig fürsorglich. Aus diesem Grund fühlten sie sich verpflichtet, sich elterlich gegenüber den Eltern zu verhalten. Viele stammen außerdem aus zerrütteten Verhältnissen, in denen sie Gewalt und Missbrauch erfahren haben.

Den Therapeuten stehen Eigentherapie, Selbstfürsorge und Work-life-Balance zur Verfügung, um im seelischen Gleichgewicht zu bleiben. Die Autorin fordert dazu auf, die Problematik zu enttabuisieren, die Behandler zur Therapie zu ermutigen und in der Aus- und Weiterbildung eigene Krisen, Ressourcen und Selbstfürsorge anzusprechen. „Wichtig ist, spezifische Behandlungsangebote zu entwickeln.“ ms

von Sydow K: Psychotherapeuten und ihre psychischen Probleme. Psychotherapeut 2014; 59: 283–92.

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