PDF

Randnotiz: Trendsport Krabbeln

Dtsch Arztebl 2017; 114(7): A-291 / B-259 / C-255
AKTUELL
Beerheide, Rebecca

Wer im Sportstudio nicht als Langweiler gelten will – wer rennt schon auf dem Laufband oder übt Kniebeugen wie zu Turnvater Jahns Zeiten? – muss natürlich bei jedem neuen Fitnesstrend seine Übungsmethode anpassen. Nachlässigkeit wird mit dem Gefühl bestraft, nicht das Beste aus der kurzen Trainingszeit herauszuholen. Wer aber dachte, mit Spinning, Cardio-Boxtraining, Langhantel-Kursen, dem Zappeln beim Zumba oder der Teilnahme an Plank-Challanges in den sozialen Netzwerken sei sie oder er schon trendy genug, wird seit Anfang des Jahres bitter enttäuscht: Denn der hippe Mensch betreibt nun seine Übungen nicht mehr als Zweibeiner – er kehrt zurück auf alle Viere: Das Krabbel-Workout ist der Trend für Erwachsene in dieser Wintersaison. Wenn Kleinkinder so die Welt entdecken – warum sollte es falsch für Erwachsene sein? Der Erfinder, der österreichische Physiotherapeut und Tanzlehrer Johannes Randolf aus Linz, sieht damit Muskeln an Stellen gestärkt „von denen die meisten Menschen gar nichts wissen“. Zusätzlich solle der ständige Rechts-Links-Wechsel bei der Krabbelbewegung das Gehirn so stimulieren, dass Randolf davon ausgeht, eine vorbeugende Bewegung gegen Demenz gefunden zu haben. Wundermittel Krabbeln! 20 Minuten pro Tag solle der Erwachsene im eigenen Wohnzimmer auf allen Vieren unterwegs sein, dabei werde die „Wirbelsäule in ihrer Dreidimensionalität trainiert. Die Wirbelsäule rotiert und die Nervenenden werden stimuliert“, so Randolf. Besonders gut für Menschen, die viel Sitzen oder Stehen.

Wer sich so zu Hause nicht fortbewegen will, kann sicherlich demnächst auch durchs Fitnessstudio krabbeln – dann aber unter dem Namen Crawling. Klingt moderner.

LNSLNS