ArchivDeutsches Ärzteblatt12/1998Osteoporose: Stellenwert der Fluorid-Therapie

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Osteoporose: Stellenwert der Fluorid-Therapie

Dtsch Arztebl 1998; 95(12): A-681 / B-571 / C-544

Hoc, Siegfried

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Osteoporose wird infolge Überalterung der Bevölkerung zunehmend ein sozialmedizini-
sches Problem. So leben in Deutschland mehr als 1,8 Millionen Frauen und etwa 800 000 Männer mit Wirbelkörpereinbrüchen, erklärte Prof. Helmut W. Minne (Bad Pyrmont) auf einer Veranstaltung von Novartis Pharma in München. Mit Wirbelkörperfrakturen werde man zwar alt, aber in der Selbständigkeit eingeschränkt. Patienten mit Frakturen im Bereich der Brustwirbel müssen zusätzlich eine Einschränkung der Lungenfunktion hinnehmen.
Die osteoporosebedingten Oberschenkelhalsbrüche in Deutschland werden auf gut 140 000 pro Jahr geschätzt. Die reinen Therapiekosten dafür werden auf etwa fünf Milliarden DM pro Jahr veranschlagt. Nach den Ausführungen von Dr. Jutta Semler (Berlin) belaufen sich die Gesamtkosten für eine Oberschenkelhalsfraktur auf rund 53 000 DM. Unberücksichtigt sind die zusätzlich notwendige ärztliche Diagnostik und Behandlung, Physiotherapie und Medikamente. Werden alle osteoporoserelevanten Frakturen berücksichtigt, so muß mit einer jährlichen finanziellen Mindestbelastung der deutschen Gesellschaft von drei bis vier Milliarden DM gerechnet werden.
Frühzeitige Behandlung
Diese volkswirtschaftlichen Kosten könnten durch eine rechtzeitige Behandlung der Osteoporose-Kranken deutlich gesenkt werden. Das Risiko von Frakturen kann heute bei Patienten mit hochgradigen Knochensubstanzverlusten durch die Gabe von Osteoblasten-Stimulatoren weitgehend eliminiert werden. Fluoride sind hier die potentesten Arzneimittel. Sie müssen allerdings richtig dosiert werden, denn der gesicherte Effekt ist offenbar dosisabhängig. Eine zu hohe Dosierung bewirkt einen zu schnellen Anstieg der Knochendichtewerte von acht bis zwölf Prozent pro Jahr, wobei unreifes, mechanisch minderwertiges Knochengewebe entsteht, so daß der Knochen sogar noch brüchiger werden kann. Deshalb sind Anstiegsraten der Knochendichtewerte von vier bis sechs Prozent pro Jahr anzustreben. Dadurch erreicht das neugebildete Knochengewebe die erwünschte Festigkeit, so daß das Risiko für Frakturen signifikant reduziert wird. Die heute empfohlenen Fluoridmengen seien 15 bis 20 mg bioverfügbare Fluoridionen pro Tag, jeweils kombiniert mit Kalzium, erinnerte Prof. Johann-Diederich Ringe (Leverkusen). Es ist anzunehmen, daß eine Fluoridtherapie auch im Frühstadium der Osteoporose, wenn noch keine Wirbelkörperfrakturen eingetreten sind, die mechanische Stabilität des Knochens stärkt. Bei postmenopausalen Frauen mit erhöhtem Osteoporose-Risiko ist aber auch weiterhin die Hormonsubstitution die Therapie der ersten Wahl, bekräftigte Ringe. Nur wenn eine mäßige Osteopenie und eine Kontraindikation für eine Hormongabe vorliegen, ist die Fluoridtherapie sofort indiziert. Einen signifikanten Anstieg der Knochendichtewerte bewirkt die Fluoridtherapie (kombiniert mit Kalzium) auch bei Osteoporose des Mannes, bei kortikosteroidinduzierter Osteoporose und bei Osteoporose nach Herztransplantation. In einer eigenen Studie haben Ringe et al. 60 Männer mit idiopathischer Osteoporose im Stadium 1 (Kochendichte der LWS: T-Score < 2,5, keine Wirbelfrakturen) entweder intermittierend mit Fluorid plus Kalzium (Fluoril®) oder mit Kalzium alleine behandelt. In der Verum-Gruppe nahm die Knochendichte in der LWS im Mittel jährlich um drei Prozent zu, in der Kalzium-Gruppe zeigten sich dagegen weiterhin Verluste an Knochensubstanz. Am Ende der Drei-Jahres-Studie fanden sich in der Fluoril®-Gruppe signifikant weniger Männer mit manifester Osteoporose als in der Gruppe mit der Kalzium-Monotherapie. Siegfried Hoc
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige