ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2011Börsebius: Rettet das Rating

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Börsebius: Rettet das Rating

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Weg mit den Ratingagenturen, die taugen allesamt nichts. Standard & Poors, Fitch oder Moody’s schaden der Rettung des Euro.“ Mit großem Getöse wird derzeit auf die Notengeber für Finanzprodukte eingeprügelt. Gäbe es sie nicht, so die Botschaft, wäre alles viel einfacher und die Schuldenkrise besser händelbar, Staaten nicht so leicht erpressbar. Bei allem Pulverlärm – ist das denn wirklich so?

Vielleicht hilft zuvörderst ein Blick auf die Schreihälse, also auf die, denen die Ratingagenturen ein Dornengeflecht in den Augen sind: Tag für Tag meldet sich ein Minister, flankiert von Notenbankern und EU-Kommissaren, die vehement auf die Arbeit der Agenturen draufhauen. Die Forderungen gehen von der Beschneidung ihrer Macht bis dahin, sie schlichtweg zu verbieten. Damit ist schon mal klar, dass die, denen die Urteile am meisten wehtun, auch am lautesten aufbegehren.

In den Vorwürfen tönen nahezu alle gleich. Zunächst einmal wird gemault, die drei Großen beherrschten mehr als 90 Prozent des Marktes, es liege eine oligopolistische Struktur vor. Ja, und? Ich glaube nicht, dass sich durch den Eintritt eines vierten großen Anbieters an den Ratings (den guten wie den schlechten) etwas ändern würde; zumal es ja auch bereits viele kleinere Agenturen gibt. Der zweite Vorwurf geht dahin, dass die Agenturen von den Emittenten bezahlt würden, insoweit Werturteile qua Interessenkonflikt käuflich seien. Kann sein, muss aber nicht. Außerdem ist das eher ein Scheingefecht. Vor allem bei den umstrittenen Länderratings ist dieser Vorwurf unbegründet: Die Agenturen erstellen ihre Ratings ohne Auftrag und Beratung der einzelnen Länder. Geradezu wundersam, dass sich über diese Ratings die Wut der Betroffenen am meisten ergießt. Getroffene Hunde bellen halt am lautesten.

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Der substanziierteste Einwand gegen die Ratingagenturen ist der der schlechten Arbeit, also der qualitativen Mängel. Es wird immer wieder mahnend der Finger hochgehalten, die Agenturen hätten vor dem jeweiligen Ausbruch einer Finanzkrise schön geschlafen, nach dem Ausbruch überreagiert und damit als übler Brandbeschleuniger fungiert. Daran ist in der Tat einiges wahr, und ich weiß recht wenig gegenzuhalten. Doch wer wirft etwa einer Bank vor, sie habe einem Unternehmen, das später insolvent wurde, niemals einen Kredit geben dürfen? Fehlurteile sind im Ratinggeschäft also durchaus systemimmanent, stellen gleichwohl das Ratinggeschäft insgesamt nicht infrage. Insgesamt gilt: Ratingagenturen sind den Politikern so lästig wie auch ihre Wähler, erfüllen aber eine eminent wichtige volkswirtschaftliche (kontrollierende) Funktion. Es kann also nur gelten: Rettet das Rating. Auf Teufel komm raus.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“

Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 6. August 2011 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20). Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.

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