ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2011Informationsgesellschaft: Vom Datum zum Dossier

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Informationsgesellschaft: Vom Datum zum Dossier

Dtsch Arztebl 2011; 108(30): A-1640 / B-1396 / C-1392

Krüger-Brand, Heike E.

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Bei der Lektüre des Fachbuches mag sich bei manchem Leser der Eindruck aufdrängen: Der Datenschutz steht auf verlorenem Posten. Anhand einer Fülle von Beispielen beschreiben die Autoren, wer wie Daten sammelt und wie schwer es der Bürger hat, sein Recht auf informationelle Selbstbestimmung wahrzunehmen. Anschaulich werden dabei die zentralen Herausforderungen des Datenschutzes her- ausgearbeitet: die Verknüpfung von staatlichen oder privatwirtschaftlichen Datenbeständen zu Profilen, die Gestaltung der Datensparsamkeit (an die sich der Staat am wenigsten zu halten scheint), der leichtfertige Umgang mit Daten im privaten Umfeld, die vielfältig bedrohte Datensicherheit sowie die faktisch mangels Personal nicht vorhandene Aufsicht und Kontrolle über die Datenverarbeitung.

Hinzu kommt der Bereich der Cyberkriminalität: Die Fälle von Datendiebstahl nehmen weltweit zu, es gibt einen florierenden Schwarzmarkt für gestohlene Daten, darunter Zugangsdaten zu Bankkonten, E-Mail-Postfächern oder Online-Spielen. Internet-PCs können zudem als ferngesteuerte Bot-Rechner für illegale Handlungen genutzt werden.

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Sollte man also von vornherein auf Privatheit im Netz verzichten, wie der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg meint, oder sich die Maxime von Google-Chef Eric Schmidt zu eigen machen, der mit den Worten zitiert wird: „Wenn es irgendetwas geben sollte, von dem Sie nicht wollen, dass andere es wissen, sollten Sie es vielleicht besser erst gar nicht tun.“?

So ganz wollen die Autoren den Datenschutz noch nicht verloren geben. Während allerdings die Bedrohungsszenarien sehr detailliert und beispielreich dargestellt werden, fallen die Hinweise zu möglichen Sicherheitsmaßnahmen und Schutzvorkehrungen äußerst knapp aus. Verwiesen wird einerseits auf technische Mittel, wie Virenscanner, Firewall, zeitnahe Updates und professionelle Dienstleister. Andererseits macht der Autor des betreffenden Kapitels zu Recht darauf aufmerksam, dass IT-Sicherheit auch eine Frage der Einstellung ist und teure technische Schutzvorkehrungen ein leichtsinniges Verhalten nicht wettmachen können.

Wesentliche Schlussfolgerungen der Autoren: Erforderlich sind mehr Information und Aufklärung, vor allem hinsichtlich eines „Selbstdatenschutzes“, eine datenschutzrechtliche Fortbildung nicht nur der Anwender, Entwickler und Diensteanbieter, sondern auch und vor allem der politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträger sowie eine effektive und personell adäquat ausgestattete Datenschutzaufsicht. Heike E. Krüger-Brand

Astrid Auer-Reinsdorff, Joachim Jakobs, Niels Lepperhoff: Vom Datum zum Dossier. Wie der Mensch mit seinen schutzlosen Daten in der Informationsgsellschaft ferngesteuert werden kann. Heise Zeitschriften Verlag, Hannover 2011, 172 Seiten, broschiert, 16,90 Euro

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