ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2011Online-Weiterbildung Health Technology Assessment: Innovationen bewerten lernen

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Online-Weiterbildung Health Technology Assessment: Innovationen bewerten lernen

Dtsch Arztebl 2011; 108(30): A-1636 / B-1392 / C-1388

Hoffmann, Christine; Zentner, Annette; Busse, Reinhard

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Der „HTAonline“-Kurs des Fachgebiets Management im Gesundheitswesen der Technischen Universität Berlin setzt erfolgreich auf Blended Learning.

Das Thema „Health Technology Assessment“ (HTA) stößt seit der gesetzlichen Verpflichtung zu einer wissenschaftlichen Bewertung medizinischer Technologien vor der Aufnahme in den Leistungskatalog der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung auf breites Interesse. Nicht nur die Entscheidungsträger, die durch HTA-Berichte beispielsweise des IQWiG – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen – unterstützt werden, auch andere Interessengruppen, wie etwa Pharmaunternehmen oder Medizinproduktehersteller, setzen auf entsprechende Expertise.

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Seit 2009 bietet der Fachbereich Management im Gesundheitswesen der Technischen Universität Berlin zweimal jährlich einen Blended-Learning-Kurs „HTAonline“ an: jeweils im Herbst als externe Weiterbildung für Berufstätige aus dem Gesundheitswesen und im Frühjahr für Studierende der Vertiefungsrichtung „Gesundheitstechnik“ des Masterstudienganges Wirtschaftsingenieurwesen. Blended Learning kombiniert die Vorteile von Präsenzveranstaltungen und E-Learning. Inhaltlich ist der Kurs zweigeteilt, die erste Hälfte beschäftigt sich mit der politischen Einbindung von HTA in Deutschland und international, die zweite mit der Methodik der Berichterstellung.

Berufsbegleitend oder im Masterstudiengang

Obwohl der Kurs für Berufstätige und der Studierendenkurs anfangs identisch waren, hat es sich bewährt, die Kurse getrennt weiterzuentwickeln: Der Kurs für Berufstätige (fünf Monate) dauert mittlerweile zwei Monate länger als das Mastermodul (drei Monate); zudem wird eine auf die Zielgruppe zugeschnittene Auswahl an Aufgaben angeboten. Eingebunden ist in beide Varianten eine über ganz Deutschland verteilte Vielzahl von Fachexperten, die wegen des Online-Szenarios unkompliziert unterrichten können. Der Verein zur Förderung der Technologiebewertung im Gesundheitswesen unterstützt die Erstellung und Durchführung des Angebots.

Die mediale Kursgestaltung einschließlich der Übungsaufgaben ist abwechslungsreich. Beispielsweise werden neben Multiple-Choice-Tests Rechercheaufgaben im Netz abverlangt. Dies ist sinnvoll, da die meisten für HTA relevanten Informationen online zu finden sind und die Erstellung eines HTA-Berichts zudem eine systematische Literaturrecherche in Online-Datenbanken umfasst. Lehrreich und unterhaltsam ist auch das Online-Planspiel einer Priorisierung von HTA-Themen, die sich an dem Verfahren des DIMDI – Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information – orientiert. Es gibt Einzel-, Partner- und Gruppenaufgaben, wobei die Online-Zusammenarbeit eine besondere Herausforderung darstellt. Der gesamte Kurs wird durch Online-Foren begleitet, in denen sich die Lernenden untereinander und mit den Lehrenden austauschen können.

Die Vermittlung der Lerninhalte findet mit spezifisch für die Online-Lehre aufbereiteten Lerntexten statt. Die Texte können als Webseiten mit Menü und vielen Verlinkungen gelesen werden. Darin integrierte Selbstlernfragen wertet die Lernplattform automatisiert aus. Der Lerntext ist auch als PDF verfügbar. Ergänzt wird der Lernprozess durch regelmäßig stattfindende Online-Vorlesungen, an denen die Studierenden von zu Hause aus oder von unterwegs virtuell teilnehmen und mit dem jeweiligen Experten diskutieren können.

Während sich in den Masterkursen vorwiegend Wirtschaftsingenieursstudierende der Vertiefungsrichtung „Gesundheitstechnik“ und angehende Volkswirte befinden, dominieren in den berufsbegleitenden Kursen Mediziner und Wirtschaftswissenschaftler. Die Mischung der Fachrichtungen und Tätigkeitsfelder entspricht der interdisziplinären Zusammenarbeit, die auch bei der Erstellung eines HTA-Berichts erforderlich ist. Zudem kann beim E-Learning jeder die Aufgaben und Texte in dem Tempo bearbeiten, das der eigenen Vorausbildung entspricht.

Positive Bewertung, geringe Abbrecherquote

Aus den Evaluationen ergab sich für beide Zielgruppen, dass die Mischung verschiedener technischer Möglichkeiten als hilfreich und bei allem Anspruch auch als unterhaltsam bewertet wurde. Die Inhalte beurteilen die Lernenden als umfassend. Es wird sehr geschätzt, von ausgewiesenen Fachexperten lernen zu können. Befürchtungen, sich aufgrund der virtuellen Lernform „alleingelassen zu fühlen“, haben sich fast nie bewahrheitet. Die Abbrecherquote ist gering. Einigkeit herrscht zumeist, dass sich Online-Lernen nicht „nebenher“ erledigen lässt. Die Zeit zum Lernen aufzubringen, im Schnitt bis zu zehn Stunden pro Woche, ist nicht immer einfach, insbesondere wenn neben dem Beruf gelernt wird; ein Aufwand, der mit 150 cme-Punkten honoriert wird. Informationen: www.mig.tu-berlin.de (Studium und Weiterbildung/Weiterbildung).

Christine Hoffmann, Annette Zentner, Reinhard Busse

Kontakt: christine.hoffmann@tu-berlin.de

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