SUPPLEMENT: Praxis Computer

Das „Jahr-2000-Problem“: Pannenvorsorge

Dtsch Arztebl 1998; 95(12): [6]

Elfering, Ingo

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LNSLNS Die Umstellung auf das Jahr 2000 ist für viele Computersysteme problematisch. In Wirtschaftsunternehmen und großen Organisationen gehört es zum Pflichtprogramm, sämtliche EDV-gestützten Anlagen auf ihre Jahr-2000-Kompatibilität zu überprüfen. Auch Ärzte in Praxis und Klinik sollten sich rechtzeitig um den Einstieg ihrer EDV ins nächste Jahrtausend kümmern. Als in den 60er und 70er Jahren die EDV-Systeme Einzug hielten, war Speicherplatz teuer, und man beschränkte sich daher auf die Speicherung der beiden Endjahreszahlen. Man glaubte überdies, daß rechtzeitig bis zur Jahrtausendwende neue Computer und Software-Generationen im Einsatz sein würden. Oft genug wurde das Problem auch als solches gar nicht erkannt. Die mit dem Jahr 2000 verbundene Umstellung der EDV kann jedoch viele Probleme aufwerfen. Ein banaler Effekt: Das Tagesdatum stimmt ab dem 1. Januar 2000 nicht mehr und wird zum Beispiel auf den 1. Januar 1980 gesetzt. Dies ist bei älteren DOS-Rechnern häufig der Fall. Hier hilft ein einfaches Umsetzen der Uhr auf dem Computer. Komplizierter und unangenehmer ist allerdings, wenn die Uhr nicht mehr ordnungsgemäß läuft und jeden Tag wieder auf ein neues Datum gestellt werden muß.
Noch gravierender wirken sich Umstellungsfehler aus, wenn plötzlich Statistiken oder Auswertungen nicht mehr funktionieren und etwa die Abrechnungsstatistik für das letzte Quartal falsche Werte liefert oder der Impfpaß für ein Baby statt für einen Senioren ausgestellt wird. Es kann zum Beispiel passieren, daß das Betriebssystem fehlerhaft arbeitet, die Telefonanlage keine Zeitschaltungen mehr erlaubt oder der Anrufbeantworter nicht mehr am Wochenende, sondern in der Woche alle Telefonate annimmt. Mißlich wird es unter Umständen, wenn medizinische Geräte, die etwa bei der Auswertung von EKGs oder ähnlichem behilflich sind, plötzlich aufgrund falscher Altersangaben für Patienten medizinisch nicht korrekte Daten produzieren. Die Jahr-2000-Problematik stellt sich daher recht komplex dar. Im einfachsten Fall sind es lediglich Unannehmlichkeiten, die in der ersten Januarwoche des Jahres 2000 einen umständlichen Betrieb in der Praxis zur Folge haben. Andere Fehlerquellen hingegen werden bereits einige Zeit vorher oder aber erst im späteren Einsatz sichtbar - dies wiederum hängt mit weiteren Datumsdarstellungen im Computer als der zweistelligen Darstellung zusammen. Einige der Probleme lassen sich durch manuelle Einstellungen wie etwa das Neueinstellen der Uhr erledigen. Andere Probleme bedingen jedoch einen Austausch von Hard- und Software oder anderen Geräten. Ein verantwortlicher Arzt sollte daher einen Jahr-2000-Plan aufstellen und sämtliche möglicherweise betroffenen Systeme auf ihre entsprechende Kompatibilität prüfen. Es gilt dabei, neben der Telefonanlage auch alle medizintechnischen Geräte zu überprüfen und für Testpatienten anhand von Testeingaben die Jahr-2000-Kompatibilität festzustellen. Ferner sollte sich der Anwender entsprechende Sicherungsbescheinigungen seiner Lieferanten geben lassen, um im Falle verdeckter Probleme später eine Handhabe zum Beispiel für kostenlose Service-Technikereinsätze zu haben. Auch neuere Computer sollten überprüft werden, da auch unter Pentium-Rechnern Modelle zu finden sind, die Umstellungsschwierigkeiten aufweisen.
Umstellung der
Praxis-EDV-Systeme
Der größte Problembereich ist jedoch das Praxis-EDV-System. Hier gilt es, jeden Computer mit einem entsprechenden Hilfsprogramm (einige Shareware-Produkte sind dafür erhältlich) zu prüfen. Zusätzlich müssen in einer vernetzten Praxis das Netzwerkbetriebssystem sowie das Betriebssystem jedes Computers ebenfalls überprüft werden. Verallgemeinernd kann man feststellen, daß alle Versionen von MS-DOS, alle MSWindows3.x-Versionen sowie die Novell-Netzwerkbetriebssysteme bis einschließlich Version 4.10 nicht vollständig Jahr-2000-kompatibel sind. Dies trifft in der Regel auch für sämtliche damit verbundene Softwarepakete zu. Keine Probleme haben Anwender der Version Novell 4.11. Für die älteren NovellBetriebssysteme soll es demnächst noch einen Patch von Novell geben. Ebenfalls keine Sorgen müssen sich Anwender von MS-Windows 95 und NT machen. Kompatibilitätszusicherung des Herstellers
Darüber hinaus sollte die gesamte Anwendungssoftware überprüft werden. Für die meisten StandardsoftwarePakete gibt es heute im Internet Webseiten, die darüber informieren, für welche Versionen man sich besser ein Update besorgen sollte. Beim Praxis-EDV-System sollte man sich genau erkundigen, da es eine Reihe älterer Systeme gibt, die zum Beispiel intern auf Datenbanken aufbauen, die nicht Jahr-2000-kompatibel sind und sich damit bei Berechnungen oder Statistiken vom Januar 2000 an sehr wahrscheinlich ständig verrechnen würden. Neben der einfachen manuellen Überprüfung sollte man sich wegen der Komplexität der Softwarepakete jedoch besser noch eine Bestätigung seitens des EDV-Herstellers geben lassen, daß die eingesetzte Programmversion problemlos die Umstellung leistet oder bis zu diesem Zeitpunkt entsprechend aktualisiert wird. Meist ist man mit den neueren Windows-Versionen der Anbieter auf der sicheren Seite. Ein Update auf eine Windows-Version eines Programms kann unter diesem Aspekt durchaus Sinn machen. Doch lassen sich hierzu keine allgemeinen Empfehlungen abgeben; es bedarf des Tests und der Zusicherung. Sollte man einen Systemwechsel innerhalb der EDV durchführen müssen, so gilt es, den Datenaustausch zu bewerkstelligen. Im Bereich der dafür normalerweise genutzten BDT-(Behandlungsdatenträger-)Schnittstelle sind die meisten Felder bereits Jahr-2000-kompatibel, so daß eine Datenübergabe reibungslos funktionieren sollte. Es gibt aber Felder, die nur zweistellige Datumsangaben enthalten (etwa die Gültigkeitsdauer der Patientenchipkarte) und beim Datenaustausch zwischen Praxis-EDV-Systemen Probleme hervorrufen können. Einige EDV-Systeme machen beim BDT von einer Wahlfreiheit Gebrauch und exportieren nur zweistellige Datumsangaben. Hier muß das einlesende System die Zuordnung auf das entsprechende Jahrhundert selbständig durchführen. Auch diese Eigenschaft sollte man sich zusichern lassen.
Nur Anwender, die ihre technologische Ausstattung gründlich überprüfen und gegebenenfalls Hard- und Software gegen neuere Systeme austauschen, können sicher sein, daß die Praxis im Jahr 2000 ohne größeren Computer-GAU weiterarbeiten wird. Für viele EDV-Anwender wird dies ein Aufrüsten auf neuere Computer oder einen Wechsel auf ein sicheres Praxis-EDV-System bedeuten. Aufgrund der damit verbundenen finanziellen Belastung, aber auch der organisatorischen Probleme, die eine solche Umstellung mit sich bringt, ist man als Anwender gut beraten, dies frühzeitig zu tun. Ingo Elfering


Anschrift des Verfassers: Ingo Elfering, An der Alten Ziegelei 20, 48157 Münster, Tel 02 51/14 16 20, Fax 02 51/14 16 2-21, elfering@
medicaldataservice.de, www.medicaldataservice.de


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