ArchivDeutsches Ärzteblatt13/1998Kassenärzte: IGEL - ein Nützling

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Kassenärzte: IGEL - ein Nützling

Dtsch Arztebl 1998; 95(13): A-693 / B-577 / C-533

Korzilius, Heike

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LNSLNS Abzocker", "Scheinheilige" lauten die Kosenamen, die Kassenärzte und Krankenkassen derzeit füreinander übrig haben. Die Stimmung ist hochgradig gereizt. Schuld daran trägt der IGEL, ein Katalog von rund 70 ärztlichen Leistungen, die nicht Bestandteil des gesetzlichen Leistungskatalogs sind und somit auch nicht von den Kassen erstattet werden. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat diesen vorgelegt, um klarzustellen, daß diese medizinisch empfehlenswerten oder vertretbaren (Wunsch-)Leistungen privat liquidiert werden müssen (dazu auch DÄ, Heft 11/1998).
"Was geht das die Kassen an, wo sie ohnehin nicht zahlen", mag sich mancher fragen. Hans-Jürgen Ahrens, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, wittert eine heimliche Umgestaltung der medizinischen Versorgungslandschaft: die GKV zahlt nur noch die Grundversorgung, alles andere zahlt der Patient. Ahrens begründet seine Furcht damit, daß die IGEL-Liste unter ande-rem Leistungen verzeichnet, deren Aufnahme in den gesetzlichen Leistungskatalog gerade im Bundesausschuß der Ärzte und Krankenkassen diskutiert wird. Über eine solche Aufnahme neuer medizinischer Verfahren werde künftig nur schwer eine Einigung mit den Kassenärzten erzielt werden können, wenn diese "erst einmal das schnelle Geld der Privatliquidation vor Augen haben", unkt Ahrens. Für die Kassen dient die Liste einzig dazu, den Ärzten neue, lukrative Einnahmequellen zu erschließen.
Der KBV-Vorsitzende Winfried Schorre weist derartige Vorwürfe scharf zurück. Der IGEL-Katalog diene nicht der Leistungsausgrenzung, sondern der Klarstellung. Dazu zwinge schon die desolate Finanzlage der GKV. Die Liste schaffe Transparenz für Ärzte, Kassen und Patienten, die darüber informiert werden, daß sie Leistungen nachfragen, die nicht solidarisch finanziert werden sollten. "So trägt der IGEL sogar zur finanziellen Entlastung der Solidargemeinschaft bei", sagte Schorre. "Solange die Kassen bei ihren Versicherten den Eindruck erwecken konnten, daß solche Wunschleistungen von ihnen bezahlt würden, waren ihnen die entsprechenden Untersuchungen als kostenlose Service-Leistungen der Ärzte hochwillkommen." Heike Korzilius
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