ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2011Peer Review: Lernen auf Gegenseitigkeit
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Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg führte (nach dem damals noch vorläufigen Curriculum) eine erste Schulung für Peers am 9. Oktober 2010 durch; es nahmen 20 Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte der Intensivmedizin teil. Das erste Review mit diesen Peers fand am 1. Dezember im Katharinenhospital in Stuttgart statt.

Die inzwischen veranlassten Verbesserungen machen das Potenzial eines Expertendialoges auf Augenhöhe deutlich – und dies bei relativ geringem Aufwand. 15 Intensivabteilungen haben sich inzwischen für ein Peer Review beworben . . .

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Im Unterschied zu Audits und Kontrollen stellt ein freiwilliges Peer Review ein Lernen auf Gegenseitigkeit dar. Auch der aufsuchende Peer ist ein Lernender, der in der aufgesuchten Einrichtung wertvolle Anregungen für die eigene Klinik/Praxis mitnehmen kann. Dieses Lernen auf Gegenseitigkeit und die gemeinsame Suche von optimalen Lösungen bei gegebenen Rahmenbedingen ist gefährdet, wenn das Peer Review bei negativen Abweichungen verpflichtend durchgeführt wird, wie es im Beitrag von der Initiative Qualitätsmedizin berichtet wird.

Auch in der Richtlinie zur einrichtungs- und sektorenübergreifenden Qualitätssicherung – Qesü-RL des gemeinsamen Bundes­aus­schusses – zählt ein Peer Review zur Maßnahmestufe eins, wenn Auffälligkeiten durch den „Strukturierten Dialog“ nicht ausreichend aufgeklärt werden konnten. Hierbei entsteht die Gefahr einer Rechtfertigungskommunikation, die es ebenso zu verhindern gilt, wie die Scheu, echte Mängel deutlich anzusprechen.

Neben den speziellen kommunikativen Fähigkeiten, die durch das Curriculum vermittelt werden, müssen fachspezifische Kriterien als Grundlage des Dialoges entwickelt werden, wie es beispielhaft für die Intensivmedizin bereits geschehen ist (DÄ 41/2010). Allerdings fehlte hier das Thema Organspende, das aus Sicht der Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg dringend zu ergänzen ist. Die Organspenden in Deutschland decken nur einen Bruchteil des Bedarfs. Die Organisation von Organspenden ist immanenter Teil der Intensivmedizin. Es bleibt zu hoffen, dass Peer Reviews auch hier einen Beitrag zur Verbesserung leisten.

Matthias Felsenstein, Leiter der Abteilung
Fortbildung und Qualitätssicherung, Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg, 70195 Stuttgart

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