ArchivDeutsches Ärzteblatt14/1996Ausschuß „Ärztinnen“: Diskussionen um mehr Teilzeitarbeit und die Versorgungswerke

POLITIK: Aktuell

Ausschuß „Ärztinnen“: Diskussionen um mehr Teilzeitarbeit und die Versorgungswerke

Dauth, Sabine; Burger, Frank

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LNSLNS Da sich Ausschuß und Ständige Konferenz "Ärztinnen" der Bundes­ärzte­kammer gerade wieder neu formiert haben, bat die Vorsitzende, Dr. med. Elisabeth Hauenstein, ihre Kolleginnen aus den Landesausschüssen zunächst um einen Lagebericht aus der eigenen Kammer. Mehrere Teilnehmerinnen berichteten, daß das Interesse von Ärztinnen an Wiedereinstiegskursen deutlich abgenommen hat, so Dr. med. Eva Müller-Dannecker (Berlin), Dr. med. Angelika Koßmann (Hamburg) und Dr. med. Petra S. BörnerKlimesch (Baden-Württemberg). Vermutlich räumen sich viele Ärztinnen überhaupt keine Chancen mehr auf dem Arbeitsmarkt ein. Dennoch lassen einige Kammern und KVen nicht locker: In Berlin gibt es eine Kontaktstelle für arbeitslose Ärztinnen und Ärzte, in Südbaden eine Art Stellenbörse: gesammelt und vermittelt werden Angebote und Nachfragen.


Bessere Situation in den neuen Ländern
Auch in Bremen wird überlegt, sich innerhalb der Ärztekammer selbst mehr um die Stellenvermittlung zu kümmern, berichtete Dr. med. Ursula Auerswald, seit kurzem Kammerpräsidentin. Da das Monopol der Arbeitsämter aufgehoben ist, sei das einer Kammer zumindest leichter möglich als zuvor. In einigen Bundesländern gibt es auch Bestrebungen, sich für die Teilung von Kassenarztsitzen stark zu machen und sich für mehr Teilzeitstellen innerhalb der Weiterbildung einzusetzen.
Während der Sitzung wurde deutlich, daß Ärztinnen in Ostdeutschland seltener arbeitslos sind als Ärztinnen im Westen. Das liegt vermutlich daran, daß viele von ihnen sich leichter qualifizieren konnten: Das Aus- und Weiterbildungssystem der DDR habe vielen Ärztinnen einen "geraderen" Berufsweg ermöglicht, meinte Dr. med. Anneliese Geyer aus Thüringen, die diesen Fragen nachgegangen ist. Folglich war "die Fachärztin" kein solches Problem wie in Westdeutschland. In Thüringen sollen für Ärztinnen demnächst berufsbegleitende Seminare angeboten werden zu Themen wie optimale Arbeitszeiteinteilung, Rhetorik, Mitarbeiterführung etc., berichtete sie weiter.
Heftig diskutiert wurde erneut über die berufsständischen Versorgungswerke. Während mancherorts (beitragslose) Kinderbetreuungszeiten von Ärztinnen anerkannt werden, ist dies anderswo nicht der Fall. Unterschiedlich wird auch die Art der Anerkennung gehandhabt: Einige Versorgungswerke senken, grob vereinfacht dargestellt, die Rentenanwartschaft lediglich nicht ab, andere dynamisieren sie sogar. Um besser verhandeln zu können, wollen sich die Ärztinnen nun einen genauen Überblick über die unterschiedlichen Regelungen innerhalb Deutschlands verschaffen.


Anträge für den Deutschen Ärztetag
Vorbereitet wurden auch mehrere Anträge, die während des Deutschen Ärztetags eingebracht werden sollen. Unter anderem wollen sich die Ärztinnen dafür einsetzen, daß das Praktische Jahr für maximal zwölf Monate unterbrochen werden kann, falls eine Medizinstudentin Mutter wird. Bisher sind 20 Fehltage möglich. Dem Entschluß gingen lebhafte Diskussionen voraus, was die beste Lösung zwischen berechtigten Qualitätsanforderungen und der Rücksicht auf junge Mütter sein könne.
Weiter wollen Mitglieder von Ausschuß und Ständiger Konferenz "Ärztinnen" erreichen, daß Beschneidungen, vor allem an afrikanischen Mädchen praktiziert, in Deutschland unter Strafe gestellt werden. Mit diesem Thema werden Ärzte und Ärztinnen längst konfrontiert, denn derart verstümmelte Mädchen und Frauen leben auch in der Bundesrepublik. Angestoßen wurde dieses Thema von Sanitätsrätin Dr. med. Renate Dessauer (Saarland). Sie will damit entsprechende Bemühungen von Christa Müller unterstützen, der Frau des saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine. Frank Burger/Sabine Dauth

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