ArchivDeutsches Ärzteblatt14/1996Jodmangel-Prophylaxe in der Schwangerschaft: Ausgewogene Ernährung allein genügt nicht

POLITIK: Medizinreport

Jodmangel-Prophylaxe in der Schwangerschaft: Ausgewogene Ernährung allein genügt nicht

Scriba, C.

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LNSLNS Die ausreichende Jodversorgung einer Schwangeren beziehungsweise einer Wöchnerin und ihres Kindes über die Ernährung kann nicht gedeckt werden. Die Verwendung von Jodsalz ist zwar hilfreich, reicht jedoch bei Schwangerschaft und Stillzeit nicht aus, den erhöhten Jodbedarf zu decken. Mit diesem Hinweis nimmt der Arbeitskreis Jodmangel Stellung dazu, daß die Jodmangel-Prophylaxe nicht in die "MutterschaftsRichtlinien" aufgenommen wurde. Im Rahmen der ärztlichen Beratung sei lediglich von ernährungsmedizinischen Empfehlungen die Rede, wobei die Aufmerksamkeit auf eine ausreichend hohe Jodzufuhr gelenkt werden soll. Ergänzend sind von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im Deutschen Ärzteblatt "Hinweise zu schwangerschaftsspezifischen Er­näh­rungs­emp­feh­lung­en im Rahmen der ärztlichen Beratung" veröffentlicht worden (Heft 30: A-2089–2092, 1995). Dabei wird "auf die Möglichkeit einer ergänzenden Jodzufuhr durch die tägliche Gabe von Jodtabletten hingewiesen". Für den Arbeitskreis Jodmangel sind diese Maßnahmen nicht ausreichend. Er weist darauf hin, daß – mindestens jede vierte Frau die Schwangerschaft bereits mit einer Jodmangelstruma beginnt,
– mindestens jeder fünfte Säugling eine vergrößerte Schilddrüse hat, wenn ein Normalvolumen von ein Milliliter beziehungsweise ein Gramm zugrunde gelegt wird,
– mindestens jede zweite Wöchnerin eine Schilddrüsenvergrößerung aufweist.
Die Folgen des Jodmangels können sein: hypothyreote Stoffwechsellage, Entwicklungsstörungen des Kindes, Knotenstruma und Schilddrüsenautonomie im Alter (Schilddrüsen-operationen stehen in der Häufigkeitsstatistik in Deutschland an dritter Stelle). Der Arbeitskreis fordert, daß jede Schwangere täglich eine Jodtablette in einer Dosierung von 200 mg einnimmt beziehungsweise einmal wöchentlich eine Tablette mit 1,5 mg Jod erhält. (Zu den flankierende Maßnahmen gehören die strikte Verwendung von Jodsalz sowie der Verzehr von Seefisch.) Als eigenverantwortliche Maßnahme zur Primärprävention sollten Ärzte ihren Patientinnen zum Kauf von Jodtabletten raten. Die Ausgaben sind mit etwa 15 Pfennig pro Tag gering. Die Rezeptierung scheitert an der Furcht niedergelassener Ärzte, das Arzneimittelbudget zu überschreiten. Prof. Peter C. Scriba

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