ArchivDeutsches Ärzteblatt13/1998Krankenhaus: Evaluation von Stationsteam-Supervision

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Krankenhaus: Evaluation von Stationsteam-Supervision

Werner, Andreas

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LNSLNS Die Evaluation von Supervisionsvorgängen und deren Wirkfaktoren steckt noch in den Anfängen. Die Legitimation der Supervision ist bisher fast ausschließlich über kasuistische Mitteilungen erfolgt.
Zur Evaluation einer für die Innere Medizin speziell konzipierten Form der Stationsteam-Supervision wurden an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg im Rahmen eines einjährigen Pilotprojekts (gefördert vom Klinikumsvorstand der Universität Heidelberg und dem Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Baden-Württemberg) die Mitarbeiter von Stationsteams zur Burnout-Symptomatik, zu körperlichen Belastungen, zum Bewältigungsverhalten sowie mit dem von unserer Arbeitsgruppe entwickelten Fragebogen zu Arbeitsbedingungen, Belastungen sowie Erwartungen an Stationsteam-Supervision befragt. Die Inhalte und der Verlauf der Supervisionssitzungen wurden systematisch dokumentiert. Mit einem standardisierten Gruppenbeobachtungsverfahren (SYMLOG) wurden die Interaktionen im Team erhoben.
Neue Formen der
Personalentwicklung
Die Sensibilisierung sowohl für Fragen der Qualitätssicherung in der Krankenhausversorgung (patientenorientierte Versorgung, Effektivität und Kostenökonomie) als auch der Gesundheit und Motivation der Mitarbeiter hat in letzter Zeit zur Forderung nach neuen Formen der Personalentwicklung, Gesund­heits­förder­ung und Kooperation im Krankenhaus geführt. Verschiedene von der WHO initiierte Modellprojekte erproben zur Zeit international die Adaptierung von Qualitäts- und Gesundheitszirkeln, die sich in anderen betrieblichen Kontexten seit einigen Jahren bewährt haben. Eine Möglichkeit der Operationalisierung dieser Forderungen besteht in der Durchführung von Stationsteam-Supervision im Krankenhaus.
Die Stationsteam-Supervision wird durch einen ausgebildeten Supervisor (Ausbildung in Balint-Gruppenleitung) durchgeführt. Es handelt sich um ein an den Ressourcen und Kompetenzen des jeweiligen Teams orientiertes Konzept.


Konzeption
Stationsteam-Supervision
- (Problem-)Patientenbezogen
- Anwesenheit von Pflegeteam, Krankengymnastinnen und Stationsärzten/innen
- wöchentlich eine Stunde während der Arbeitszeit nach der Mittagsübergabe
- als Arbeitszeit angerechnet und als Weiterbildung anerkannt


Die Heidelberger Studie gehört zu den ersten empirischen Untersuchungen von Supervisionseffekten bei Krankenhauspersonal. Die Stichprobe umfaßte die Mitarbeiter von fünf internistischen Stationen. Bei der Befragung zu Beginn wurde die Arbeitssituation im Durchschnitt eher positiv beurteilt. Einzelne Aspekte wurden jedoch von bis zu 60 Prozent der Mitarbeiter als unzureichend eingestuft, darunter vor allem die Berufsperspektiven und die Qualität der Freizeit. Beim Pflegepersonal wurde eine überdurchschnittliche Ausprägung körperlicher Beschwerden festgestellt. Die vorherrschende Symptomatik dieser Beschwerden sind Müdigkeit, verringertes Leistungsvermögen und Rückenschmerzen. Im Durchschnitt zeigte sich relativ zu anderen Untersuchungsergebnissen bei Krankenhauspersonal keine erhöhte Burnout-Symptomatik. Dennoch erleben die meisten Befragten häufig Erschöpfung und Überdruß. Die Burnout-Symptomatik steht im Zusammenhang mit einer schlechten Arbeitssituation: Der Kommunikationsstil, das Arbeitsklima und die Transparenz von Aufgaben hängen hierbei für das Pflegepersonal und das ärztliche Personal gleichermaßen deutlich mit den subjektiven Belastungen zusammen. Von der Stationsteam-Supervision werden wesentliche Verbesserungen erwartet insbesondere in den Bereichen Patientenorientiertheit, Kommunikationsstil, Arbeitsklima, Kooperation und Transparenz, denen auch eine qualitätssichernde Funktion zukommt.


Ziele
Stationsteam-Supervision
- Verbesserung der Kommunikationsstrukturen und des Arbeitsklimas
- Stärkung der Fähigkeiten zur Bewältigung von psychischen Belastungen am Arbeitsplatz
- Weiterentwicklung der Qualität der persönlichen Betreuung der Patienten (psychosoziale Kompetenz)
- Erweiterung der Problemlösungskompetenz für diagnostische und therapeutische Prozesse erweitern
- Erhöhung der Attraktivität des Arbeitsplatzes durch Förderung der Stations-Identität


Arbeitssituation verbessert
Wesentliches Fazit der Untersuchung: Stationsteam-Supervision im wöchentlichen Rhythmus läßt sich in den Stationsalltag integrieren. In der Regel nehmen alle Berufsgruppen der Station teil. Die subjektive Einschätzung der Arbeitsbedingungen ist besser als erwartet. Die gemessene Burnout-Symptomatik ist nicht höher als in vergleichbaren Institutionen. Eine vorhandene Burnout-Symptomatik steht im Zusammenhang mit als schlecht beurteilten Arbeitsbedingungen.
Personen mit erhöhter Ausprägung der Burnout-Symptomatik zu Beginn profitieren im Verlauf von einem Jahr Stationsteam-Supervision.
Nach einem Jahr Stationsteam-Supervision zeigt sich eine Verbesserung der subjektiven Einschätzung der Arbeitsbedingungen.
Verbesserte Kommunikation
Bei Stationsteam-Supervision über einen längeren Zeitraum entwickelt sich aus der Polarität Patientenorientierung versus Teamzentrierung die Fähigkeit zur Integration beider Bereiche.
Das Einflußgefälle in der Kommunikation zwischen ärztlichem und pflegerischem Personal verringert sich mit längerer Supervisionserfahrung. Die Mitarbeiter wünschen nach einem Jahr mit überragender Mehrheit eine Fortsetzung der Stations-teamSupervision.
In Zukunft zu untersuchende Fragestellungen werden in der detaillierten Überprüfung der qualitätssichernden Funktion der Stationsteam-Supervision bestehen, wie sie beispielsweise im Leitfaden zur Neuordnung des Pflegedienstes (Schriftenreihe des Bundesministeriums für Gesundheit, 1994) vorausgesetzt wird. Hierzu wird von der Arbeitsgruppe in Kooperation mit der Abteilung Qualitätssicherung Pflege am Klinikum der Universität Heidelberg derzeit ein Projekt durchgeführt.


Dr. med. Andreas Werner
Medizinische Universitätsklinik
Heidelberg
Bergheimer Straße 58
69115 Heidelberg

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