ArchivDeutsches Ärzteblatt13/1998Blutungskomplikationen durch Hydroxyethylstärke sind vermeidbar: Schlußwort

MEDIZIN: Diskussion

Blutungskomplikationen durch Hydroxyethylstärke sind vermeidbar: Schlußwort

Dtsch Arztebl 1998; 95(13): A-759 / B-621 / C-581

Treib, Johannes

Zu dem Beitrag von Priv.-Doz. Dr. med. Johannes Treib, Prof. Dr. med. Anton Haaß, Priv.-Doz. Dr. med. Gerhard Pindur, Prof. Dr. med. Ernst Wenzel und Prof. Dr. med. Klaus Schimrigk in Heft 37/1997
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Es freut mich sehr, daß diese renommierte Arbeitsgruppe meinem Fortbildungsartikel inhaltlich voll zustimmt. Die von den Kollegen Koscielny und Kiesewetter angesprochene Therapierbarkeit der durch HES ausgelösten Blutungskomplikationen mit DDAVP ist eine wichtige Ergänzung meines Artikels, auf die wir lediglich aus Platzgründen nicht eingegangen sind, die uns aber keinesfalls unbekannt ist. Unsere Arbeitsgruppe konnte durch eine von-Willebrand-Faktor-Multimeranalyse erstmals zeigen, daß es sich bei der durch HES hervorgerufenen Gerinnungsstörung um einen rein quantitativen Defekt handelt, was einem Typ I des von-Willebrand-Syndroms entspricht (1). Durch die erstmals gelungene Typisierung der durch HES verursachten Gerinnungsstörung erhielten wir erste Hinweise für eine mögliche Therapie, da sich gerade der Typ I des von-Willebrand-Syndroms für eine DDAVP-Behandlung eignet. Unsere Arbeitsgruppe publizierte daher bereits 1996, daß sich durch HES ausgelöste Gerinnungsstörungen mit DDAVP behandeln lassen müßten (1), was Conroy et al. dann bei Patienten nachweisen konnten (2, 3).
Derartige Blutungskomplikationen können durch Verwendung einer Stärkelösung mit einem niedrigen In- vivoMolekulargewicht jedoch von vornherein vermieden werden. Daher kommt der Therapierbarkeit derartiger Blutungskomplikationen meines Erachtens nach nur eine untergeordnete Bedeutung zu (4). Dies gilt zumindest für den deutschsprachigen Raum, da dort gleich mehrere geeignete HES 200/0,5- oder 70/0,5-Präparate im Handel erhältlich sind. Außerhalb Deutschlands werden jedoch teilweise fast ausschließlich schwer spaltbare hoch- und mittelmolekulare HES verwendet. Die von den Kollegen Koscielny und Kiesewetter mitgeteilten Dosierungsempfehlungen sind daher speziell für diese Länder sicherlich eine wertvolle Hilfe.


Literatur
1. Treib J, Haaß A, Pindur G, Miyachita C, Grauer MT, Jung F, Wenzel E, Schimrigk K: Highly substituted hydroxyethyl starch (HES 200/0.62) leads to a type I von Willebrand syndrome after repeated administration. Haemostasis 1996; 26: 210-213.
2. Conroy JM, Fishman RL, Reeves ST, Pinosky ML, Lazarchick J: The effects of desmopressin and 6% hydroxyethyl starch on factor VIII:C. Anesth Analg 1996; 83: 804-807.
3. Treib J, Haaß A, Pindur G, Grauer MT, Wenzel E, Schimrigk K: Avoiding an impairment of factor VIII:C by using hydroxyethyl starch with a low in vivo molecular weight (letter). Anesth Analg 1997; 84: 1391.
4. Treib J, Haaß A, Pindur G: Coagulation disorders caused by hydroxyethyl starch. Thromb Haemost 1997; 78: 974-983.


Priv.-Doz. Dr. med. Johannes Treib
Neurologische Klinik
Universitätskliniken des Saarlandes
66421 Homburg

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