ArchivDeutsches Ärzteblatt13/1998Arktis - Antarktis: Die abgewandtesten Orte der Erde

VARIA: Feuilleton

Arktis - Antarktis: Die abgewandtesten Orte der Erde

Dtsch Arztebl 1998; 95(13): A-760 / B-622 / C-582

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS Zu einer Entdeckungsreise in die Welt des ewigen Eises lädt die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland ein.
Die Welt des ewigen Eises fasziniert seit jeher die Menschheit. Neugier, imperiale Gier, Abenteurertum und Suche nach Erkenntnissen ließen immer wieder Forscher unter Einsatz ihres Lebens Arktis und Antarktis erkunden. Über diese teilweise dramatischen Expeditionen und auch ihre Bedeutung für die Polarmedizin berichtet die Ausstellung "Arktis - Antarktis" in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn.
Mitte des 18. Jahrhunderts begannen Wissenschaftler der westlichen Welt, die Ursachen des Skorbuts zu erforschen. Ausgangspunkt ihrer Erkenntnisse waren unter anderem die Erfahrungen der Polarforscher, die festgestellt hatten, daß die traditionelle Ernährungsform der Inuit vor der Krankheit schützte. So mischten die Angmassalikeskimos an der Ostküste Grönlands regelmäßig die an den arktischen Küsten vorkommenden Tangarten unter ih-re Nahrung. Diesen Tangen wurde ein Vitamin-C-Gehalt bis zu 45 Milligramm pro 100 Gramm zugeschrieben.
Extreme Kälte und die langen Polarnächte sind weitere Herausforderungen für die Polarmedizin. "Wir haben nichts, kein Buch über Erfrierungen und Behandlungen, keine chirurgischen Instrumen-te, keinen Verbandstoff. Immer wieder befühlte ich meine Füße und prägte mir ein, wo und wieweit ich schneiden müsse, um die Zehen glatt im Gelenk zu entfernen. Ich will die Einzelheiten beiseite lassen, nach einer Stunde vereinter Anstrengung waren alle fünf Zehen amputiert", schrieb der Grönlandforscher Johannes Georgi am 10. November 1930. Noch im Jahr 1961 mußte sich der russische Arzt L. Rogozov in der antarktischen Station Nowolazarewskaya selbst am Blinddarm operieren.
Über die "Medizin in Arktis und Antarktis" berichtet im Ausstellungskatalog Monika Puskeppeleit, die als verantwortliche Ärztin und Stationsleiterin die erste deutsche Frauenüberwinterung auf der Georg-vonNeumayer-Station in der Antarktis leitete. "Heutzutage sind die meisten der Überwinterungsstationen in der Antarktis medizinisch bestens ausgerüstet, ein Fehlen von chirurgischen Instrumenten ist nicht mehr vorstellbar. Immer noch sind es relativ hohe Unfallzahlen (30 Prozent), die eine chirurgische Behandlung notwendig machen", schreibt Puskeppeleit.
Nicht nur über die Polarforschung, sondern unter anderem auch über den Alltag der am Nordpol lebenden Einwohner informiert die Ausstellung in drei Teilen. "Eis und Geist" erzählt vom traditionellen, spirituellen Leben der Polarvölker und von ihren Lebensbedingungen. Dafür konnten Sammlungsbestände aus Finnland und Estland für die Ausstellung gewonnen werden.
Leben der Polarvölker
Die "Archäologie des Polarkreises" behandelt die Ursprünge der arktischen Völker sowie deren Wanderung über die Beringstraße und den amerikanischen Kontinent. "Lebendiges Jamal" präsentiert ein laufendes Forschungsprogramm der Smithsonian Institution Washington von der sibirischen Jamal-Insel. Dort stoßen die Interessen der europäischen Erdgasindustrie auf die des Nomadenvolkes der Nenzen, deren Lebensgrundlage bis heute aus riesigen Rentierherden besteht.
Gisela Klinkhammer
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