ArchivDeutsches Ärzteblatt14/1998Historische Apparatekosmetik: Busenformer „Lipsia“

VARIA: Schlusspunkt

Historische Apparatekosmetik: Busenformer „Lipsia“

Dtsch Arztebl 1998; 95(14): [48]

Vollmer, Gerlind

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LNSLNS Noch bis zum 6. September sind im Friseurmuseum Berlin-Marzahn 25 kuriose Exponate zu bestaunen. Ein Highlight der Ausstellung "Strom macht schön und gesund" ist der Busenformer "Lipsia" aus dem Jahr 1910. Das einfache Gerät sollte der modernen Frau helfen, ihre Brust in Form zu halten. Und zwar so: Der Busenformer besteht aus einer der Brustgröße angepaßten Glasglocke, an deren Ende ein kleiner Schlauch angeschlossen ist, der mit einem Ventil verschlossen werden kann. Die Handhabung wird im Beipackzettel Schritt für Schritt erklärt. Zunächst das Gerät auf die Brust setzen (Achtung, beim Kauf auf die passende Glockengröße für den Busen achten!), als nächstes den Schlauch zum Mund führen und saugen. Dabei läßt sich beobachten, daß sich die Brust in der Glasglocke hebt. Hat sie die gewünschte Position erreicht, wird es Zeit für den nächsten Schritt: Ventil zudrehen. Die Brust schwebt jetzt in einem Vakuum, wo sie bitte zehn bis zwanzig Minuten gelassen werden sollte. Um eine optimale Wirkung zu erzielen, muß die Behandlung zwei- bis dreimal täglich im Sitzen oder im Liegen durchgeführt werden.
Aber auch für die Männerwelt bietet die Ausstellung attraktive Gerätschaften. Zum Beispiel die seit den 20er Jahren bekannten Hochfrequenzapparate für den Kampf gegen Hautausschläge, Mitesser, trockene und nasse Flechten sowie spröde und rissige Haut. Eine gute Creme wird mit Hilfe anatomisch geformter Glaselektroden in die Haut einmassiert. Dabei springt Strom in Funken auf die befallenen Körperregionen über. Die Stromstärke läßt sich wie bei einer elektrischen Eisenbahn durch einen Trafo steuern. Das Modell "Ofra" von 1930 überzeugt neben einer ungeheuren Zahl von Zubehör vor allem durch die kelchförmige Penis-Elektrode!
Neben der Sonderausstellung ist auch die Dauerausstellung des Friseurmuseums "Aderlaß und Dauerwelle" sehenswert. Von den Anfängen der Baderkunst bis hin zu dem Prunksalon des kaiserlichen Hofbarbiers ist alles zu sehen, was das Haar begehrt. Informationen: Dorfmuseum Marzahn/Friseurmuseum, Alt-Marzahn 31, Telefon 0 30/ 5 41 02 31. Gerlind Vollmer
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