ArchivDeutsches Ärzteblatt14/1996Orthopädietechnik und Rehabilitation in Zaire: Mit Kreativität gegen den Versorgungsmangel

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Orthopädietechnik und Rehabilitation in Zaire: Mit Kreativität gegen den Versorgungsmangel

Wallny, Thomas

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LNSLNS Im Rehabilitations-Zentrum von Bukavu im Osten Zaires müssen Bürgerkriegsverletzte und Einheimische mit einfachsten Mitteln behandelt werden. Eine solche Therapie kann zwar nicht umfassend, aber durchaus effektiv sein, denn Einfallsreichtum und Geschicklichkeit der Therapeuten und Techniker kompensieren materielle Mängel. Orthopädisches Gerät ist oft aus Schrotteilen, Holzscheiten und Metallbügeln zusammengebaut. Dr. med. Thomas Wallny hat das Zentrum während eines Care-Einsatzes besucht.


Das Rehabilitations-Zentrum in Bukavu kombiniert auf ideale Weise Orthopädie-Technik und Physiotherapie. Angepaßte orthopädische Apparate können vom Orthopädie-Techniker vor Ort geändert oder bei therapeutischen Fortschritten, in enger Zusammenarbeit mit den Handwerkern des Zentrums, neu zugerichtet werden. Dazu benötigt man in Zaire keinen Arzt. Das "Reha-Team" besteht aus Technikern, Schwestern und angelernten Hilfskräften. Materialien zur Herstellung von orthopädischen Hilfsmitteln sind knapp, nicht verfügbar oder unbezahlbar. Zur Konstruktion von Prothesen und Gehapparaten werden deshalb neben gespendeten Teilen aus den westlichen Industrieländern, die aber eher selten sind, beispielsweise ausrangierte Gepäckträger und Autoschrott verwendet. Rollstühle werden aus Fahrradfelgen, Holzscheiten und Metallbügeln zusammengebaut. Die Versorgung im Reha-Zentrum beinhaltet jedoch nicht nur die Orthopädietechnik, sondern auch die krankengymnastische Nachbehandlung. Weil es an Material, finanziellen Mitteln und hochentwikkelten technischen Apparaten fehlt, wurden einfache Geräte und Übungsinstrumente entwickelt, die sowohl die therapeutischen Notwendigkeiten als auch die Erwartungen der Patienten erfüllen. So werden umgebaute Fahrräder als Ergometer und ehemalige Gerüststangen als Laufstangen zur Gangschulung verwendet.
Diese Beispiele sind jeweils Kompromisse zwischen Not und Erfindungsreichtum, die zwar effizient sind, jedoch hochentwikkelte orthopädische Geräte nicht ersetzen können. Vielen Betroffenen hätte durch eine operative Versorgung effektiver geholfen werden können. Thomas Wallny


Kontakt: Dr. med. Thomas Wallny, Orthopädische Universitäts-Klinik Bonn, Sigmund-Freud-Straße 25, 53127 Bonn

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