ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2011KV-Allianzen: Es brodelt in den Regionen

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KV-Allianzen: Es brodelt in den Regionen

Rieser, Sabine

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Sabine Rieser Leiterin der Berliner Redaktion
Sabine Rieser Leiterin der Berliner Redaktion

Einig nach innen, stark nach außen – so wünschen sich viele Ärztinnen und Ärzte ihre Interessenvertretungen. Dass es aber innerhalb wie zwischen den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) erhebliches Konfliktpotenzial gibt, weiß man. Seit kurzem kaschiert das KV-System dies nun auch öffentlich nicht mehr: Nach einem Zusammenschluss von vier KVen zu „FALK“ im Frühjahr hat sich nun ein Achterblock namens „LAVA“ gegründet.

Die letzte große Honorarreform mag etliche Milliarden Euro mehr gebracht haben. Zufriedener sind die KVen mit dem, was sie verteilen, aber nicht. So hat der Vorstandsvorsitzende der FALK-KV Baden-Württemberg, Dr. med. Norbert Metke, unlängst klargestellt: „Wir sind unseren Mitgliedern vor Ort verpflichtet. Dass Teile des ärztlichen Honorars, das in einer Region mit den Krankenkassen verhandelt wird, anschließend in andere Regionen mit weniger guten Verhandlungsergebnissen abfließen, ist nicht mehr vermittelbar.“

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Die KV Baden-Württemberg hat sich zur Wahrung ihrer Interessen mit den KVen Bayerns, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern zur „Freien Allianz der Länder-KVen“, kurz FALK, zusammengeschlossen. Gegenspieler ist LAVA, die „Arbeitsgemeinschaft Länderübergreifender Angemessener Versorgungsanspruch“: ein Zusammenschluss der KVen Brandenburg, Nordrhein, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe.

Anlass zu ihrem Bündnis ist die Sorge, finanziell abgehängt zu werden als Folge von Problemen, die sich in ihren Regionen bald verschärfen werden: Die Einwohnerzahlen sinken, dadurch werden die Zahlungen der Krankenkassen an die KVen reduziert. Gleichzeitig steigt der Anteil der – teuren – über 65-jährigen Patienten vor Ort. „Wir bekommen Probleme, wenn nicht entsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden“, prognostiziert Dr. med. Burkhard John, KV-Vorstand aus Sachsen-Anhalt, stellvertretend für LAVA.

Zwar erhalten die Kassen aus dem morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich krankheitsbezogene Zuweisungen für 80 definierte Erkrankungen. Darüber hinaus werden die Gelder nach Alter und Geschlecht der Versicherten zugewiesen – und damit in gewissem Umfang ebenfalls morbiditätsorientiert. Das Geld fließt allerdings in unterschiedlicher Höhe und nicht morbiditätsorientiert an die KVen. Denn bei der letzten großen Honorarreform wurden zwar die Preise für ärztliche Leistungen vereinheitlicht, nicht jedoch die je nach Erkrankung durchschnittlich anzusetzende Leistungsmenge für die Versorgung von Versicherten.

Dass FALK und LAVA für ihre unterschiedlichen Interessen streiten, hat mit dem Versorgungsstrukturgesetz zu tun. Es sieht eine stärkere Regionalisierung der Honorarkompetenzen vor. Während sich die Süd-KVen mit tendenziell jüngeren und gesünderen Versicherten davon Vorteile erhoffen, befürchten die LAVA-KVen, dass ihre schlechtere Honorarposition durch das Gesetz festgeschrieben wird. Alle wollen sie die öffentliche Meinung und vor allem Landespolitiker beeinflussen. Denn der Bundesrat wird in die Entscheidung über das Gesetz wohl eingebunden.

Wie es weitergeht? FALK und LAVA sind Zweckbündnisse, die schnell wieder zerbrechen können. Sehr schnell. So haben kürzlich sechs KVen eine stärkere Regionalisierung der Honorarverhandlung und -verteilung gefordert: neben FALK die LAVA-KV Schleswig-Holstein und die bislang ungebundene KV Hamburg.

Sabine Rieser
Leiterin der Berliner Redaktion

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