ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2011Von schräg unten: Kammerbeiträge

SCHLUSSPUNKT

Von schräg unten: Kammerbeiträge

Böhmeke, Thomas

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Dr. med. Thomas Böhmeke

Das Wertvollste, was die Beziehung zwischen Menschen ausmacht, ist das Vertrauen. Für Arzt und Patient ist dies quasi das Wachstumshormon für eine erfolgreiche Behandlung. Auch andere Berufe bauen auf diesem Grundstoff, sei es der Banker, der mit Hedgefonds handelt, oder der Gemüsehändler mit seinen Sprossen. Vertrauen ist das Herzzeitvolumen für eine gute Zusammenarbeit, das Serotonin für den Erfolg. Mir wurde jedoch das Vertrauen aufgekündigt, und zwar von meiner Ärztekammer, die jedes Jahr die Selbsteinschätzung des ärztlichen Einkommens zwecks Bestimmung der Kammerbeträge auf Treu und Glauben abforderte. Da sich die Kammer bewusst darüber ist, dass wir Ärzte mit dem kostbaren Element des Vertrauens sorgfältig umgehen, kam es einem Misstrauensvotum gleich, als ich die schriftliche Aufforderung zur Darlegung meiner Einkommensverhältnisse im Briefkasten fand. Schluss mit dem wohlwollenden Vertrauensvorschuss, her mit dem Generalverdacht des Ärztekammerbeitragsbetruges!

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Ganz brav schicke ich nun die gewünschten Unterlagen, also meinen Einkommensteuerbescheid, zur Kammer, meine aber, dass dieses Prozedere nicht wirklich gut ist. Denn der nicht ausgesprochene Verdacht, wir würden die Leistungen unserer Kammern nicht ordnungsgemäß honorieren, entbehrt jeglicher Grundlage, weil unsere Kammern so viel für uns tun. Sind es nicht unsere Kammern, die uns in jeder nebenwirkungsreichen beruflichen Situation massiv unterstützen? Die uns in Krisensituationen durch umfassende persönliche Betreuung zur Seite stehen? Die bei medial geübter Ärzteschelte oder Rufschädigung wirkungsvoll Paroli bieten? Die den jahrzehntelang gebräuchlichen 40-Stunden-Diensten ein Ende bereiteten? Die uns anlässlich der ärztlichen Prüfungen umfassend unter die Arme griffen, uns während des Dienstes im Krankenhaus wohlwollend begleiteten, jegliche Katastrophen wie Überforderung, Burn-out oder unbezahlte Überstunden umgehend aus dem Weg räumten? Die durch kompetente Beratung, akribische Analyse und penible Planung bei jeder Praxisgründung unverzichtbar war? Fühlt nicht jeder von uns, dessen Berufsalltag gespickt ist mit Fallstricken und Anfeindungen, die Kammer als starken Partner an seiner Seite?

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin überzeugt davon, dass die meisten von uns die Omnipräsenz unserer Kammern insofern gewürdigt haben, dass sie stets höhere Beiträge entrichtet haben, als dies Pflicht gewesen wäre, um sich auf diese Art für die umfassende Hilfe zu bedanken. Auch ich habe schon höhere Beiträge entrichtet, als es gemäß der Selbsteinstufung erforderlich gewesen wäre! Ich bin überzeugt davon, dass der Kämmerer der Kammer nach diesem Vertrauensbruch feststellen muss, dass er per Saldo nun viel weniger Euro eingenommen hat.

Oder etwa nicht?

Dr. med. Thomas Böhmeke
ist niedergelassener Kardiologe in Gladbeck.

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