ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2011Rückenschmerzen: Röntgen ist nur selten erforderlich

AKTUELL: Akut

Rückenschmerzen: Röntgen ist nur selten erforderlich

Dtsch Arztebl 2011; 108(34-35): A-1770 / B-1510 / C-1506

EB

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Nichtspezifische Rückenschmerzen bessern sich in den meisten Fällen ohne eine Operation, andere Eingriffe oder eine Physiotherapie. Schmerzmittel und die Ermutigung, in Bewegung zu bleiben, sind in der kürzlich veröffentlichten „Nationalen Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz“ deshalb die wichtigsten Behandlungsempfehlungen im akuten Stadium (www.kreuzschmerz.versorgungsleitlinien.de). Röntgenuntersuchungen oder andere bildgebende Verfahren sind nur erforderlich, wenn Hinweise auf eine ernsthafte Erkrankung vorliegen, wie die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie betont.

„Die meisten Patienten mit Rückenschmerzen erwarten von uns, dass sie geröntgt werden“, berichtet Prof. Dr. med. Elisabeth Märker-Hermann, Wiesbaden. Bei der Mehrheit der Erwachsenen mittleren Alters fänden sich degenerative Veränderungen an Bandscheiben und Wirbeln. Die gleichen Veränderungen lägen aber auch bei vielen Menschen ohne Rückenschmerzen vor. „Verschleißerscheinungen und Kreuzschmerz müssen nicht unweigerlich zusammenhängen“, betont Märker-Hermann.

Röntgen und andere bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) verursachten bei der Volkskrankheit Rückenschmerz nicht nur erhebliche Mehrkosten, sie könnten auch unnötige Operationen veranlassen, warnt die Expertin. Sie verweist auf eine vergleichende Studie, in der nach Röntgen oder MRT 5,2 Prozent der Patienten operiert wurden. Beim Verzicht auf die Untersuchungen waren es nur 2,1 Prozent.

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„Die Behandlungsergebnisse nach zwölf Monaten waren aber in beiden Gruppen gleich“, sagte Märker-Hermann. „Wir raten deshalb, zunächst auf Röntgen oder MRT zu verzichten und die Arbeitsdiagnose des nichtspezifischen Rückenschmerzes weiter zu verfolgen“, so die Mitautorin der Leitlinie. Voraussetzung hierfür sei jedoch, dass sich eine ernste Erkrankung ausschließen lasse.

„Es ist deshalb wichtig, bei Anamnese und Erstuntersuchung auf Warnsignale zu achten, die eine sofortige Operation oder andere Therapien notwendig machen“, betont Märker-Hermann. So können verstärkte Schmerzen in der Nacht oder Fieber auf Infektionen oder Tumoren hinweisen. Lähmungen können ein Warnsignal für eingeklemmte Nerven sein. Auch bei älteren Menschen oder einer Cortisonbehandlung kann eine sofortige Röntgen- oder MRT-Untersuchung notwendig sein. Diese Patienten haben ein erhöhtes Risiko, auch nach leichten Verletzungen einen Wirbelbruch zu erleiden. EB

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