ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2011Schach: Eine ziemlich abstruse Sache

SCHLUSSPUNKT

Schach: Eine ziemlich abstruse Sache

Pfleger, Helmut

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Dr. med. Helmut Pfleger, Foto: Dagobert Kohlmeyer
Dr. med. Helmut Pfleger, Foto: Dagobert Kohlmeyer

Richard von Weizsäcker, Helmut Schmidt und Peer Steinbrück, um nur unsere herausragendsten politischen Köpfe zu nennen, spielen gerne Schach und sehen – über das unmittelbar erfahrbare Vergnügen hinaus – in den dadurch erworbenen Fähigkeiten auch eine Hilfe für das tägliche Leben. Doch was lese ich im Fragebogen des 20 Jahre jungen französischen Weltklassespielers Maxime Vachier-Lagrave in der höchst empfehlenswerten Schachzeitschrift „New in Chess“? Auf die Frage, ob Schachwissen im täglichen Leben nützlich sei, antwortet er kurz und bündig: „Definitiv nicht.“ Und was sei das Beste, das je über das Schachspiel gesagt wurde? Antwort: „,Schach ist für verrückte Leute.‘ Macht Sinn.“

Nun legen etliche seiner übrigen Antworten auch einen Schuss Ironie nahe, vielleicht ähnlich wie in der Frage des Bamberger Karl-May-Verlegers, Schachgroßmeisters und WM-Schiedsrichters Lothar Schmid: „Sind wir Schachspieler nicht alle etwas verrückt?“ Doch sicher kann es dem (leidenschaftlichen) Schachspieler nur guttun, sein Metier und damit sich selbst etwas infrage zu stellen. Der schottische Großmeister Jonathan Rowson schreibt in derselben Zeitschrift: „Die meisten von uns haben Zeiten erlebt, in denen wir uns zu intensiv und ausschließlich einer ziemlich abstrusen Sache widmeten. Schließlich bedeutet Schachspielen einen Ort aufsuchen, wo dich die meisten Menschen nicht erreichen können. Wenn wir um wichtige Diagonalen und Felder kämpfen, besteht immer die Gefahr, die Perspektive zu verlieren und zu vergessen, was andere ,Realität‘ nennen. Aber dann, um zahlreiche Rockstars zu paraphrasieren, ist Realität vielleicht nur eine Krücke für Leute, die nicht Schach spielen können.“

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Es gibt – ich will mit Stefan Zweigs „Schachnovelle“ und Vladimir Nabokovs (eines leidenschaftlichen Schachproblemkomponisten) „Luschins Verteidigung“ nur die bekanntesten erwähnen – etliche literarische Beispiele, die eine Verbindung von Schach und Exzentrizität bis zur Schizophrenie nahelegen, und natürlich auch Schachspieler, die sich völlig im Schach verloren haben, aber unzweifelhaft auch Millionen „normaler“ Menschen, die den gesunden Wettkampf im Schach genießen.

Springen wir in diesem Sinne mittenmang ins letzte Ärzteschachturnier.

Hier war Dr. med. Friedemann Mack, der gemeinsam mit Dr. med. Thomas Kunz in einem „Familienausflug“ aus dem schwäbischen Murrkreis nach Bad Neuenahr kam, diesmal auf der „erleidenden“ Seite. Mit welchem Paukenschlag gewann Dr. med. Robert Taayedi als Weißer augenblicklich?

Lösung:

Nach dem Damenopfer 1. Dxf6! gab Schwarz schon auf, weil das Matt nicht mehr zu vereiteln war. Weder bei 1. . . . gxf6 2. Lxf6 matt noch bei 1. . . . Tg8 2. Txg7 Ld8 3. Txg8+ Kxg8 4. Dg7 matt.

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