ArchivDeutsches Ärzteblatt14/1996Umwelt und Erbe in der Entstehung des Brustkrebses

MEDIZIN: Diskussion

Umwelt und Erbe in der Entstehung des Brustkrebses

Tucht, Walter; Langenbeck, Ulrich

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Ulrich Langenbeck in Heft 37/1995
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LNSLNS Was ist mäßig?
Der Autor führt unter anderem in seinem Beitrag aus: "[. . .] Haarfärbemittel und Dioxine sind ohne einen erkennbaren, mäßiger Zigaretten- und Alkoholkonsum ohne wesentlichen Einfluß." Was ist "mäßig"? Ich bin vor einigen Jahren auf eine in der Medical Tribune referierte epidemiologische Studie aufmerksam geworden, die zu dem Ergebnis kam, daß der Brustkrebs bei Raucherinnen viermal häufiger als bei Nichtraucherinnen bei, im übrigen annähernd gleichartiger Belastung, aufgetreten sei. Ich will keineswegs bestreiten, daß im Sinne der anzunehmenden Multikausalität auch andere Faktoren eine Rolle spielen und selbstverständlich auch Nichtraucherinnen an Brustkrebs erkranken können. Von praktischer Bedeutung ist jedoch, daß schon das Ausschalten einer von mehreren möglichen Faktoren in einem Ursachenbündel durchaus eine präventive Wirkung haben kann.


Der Autor führt unter anderem in seinem Beitrag aus: "[. . .] Haarfärbemittel und Dioxine sind ohne einen erkennbaren, mäßiger Zigaretten- und Alkoholkonsum ohne wesentlichen Einfluß." Was ist "mäßig"? Ich bin vor einigen Jahren auf eine in der Medical Tribune referierte epidemiologische Studie aufmerksam geworden, die zu dem Ergebnis kam, daß der Brustkrebs bei Raucherinnen viermal häufiger als bei Nichtraucherinnen bei, im übrigen annähernd gleichartiger Belastung, aufgetreten sei. Ich will keineswegs bestreiten, daß im Sinne der anzunehmenden Multikausalität auch andere Faktoren eine Rolle spielen und selbstverständlich auch Nichtraucherinnen an Brustkrebs erkranken können. Von praktischer Bedeutung ist jedoch, daß schon das Ausschalten einer von mehreren möglichen Faktoren in einem Ursachenbündel durchaus eine präventive Wirkung haben kann.


Dr. Walter Tucht
Riepenerstraße 57
31542 Bad Nenndorf


Schlußwort
Die Frage, was "mäßig" sei, kann prinzipiell nur durch empirische Studien geklärt werden. Im vorliegenden Fall dachte ich an ein Glas Wein oder zwei bis drei Zigaretten täglich. In den von mir referierten epidemiologischen Studien über den Einfluß von Alkohol- und Zigarettenkonsum auf das relative Risiko, an Brustkrebs zu erkranken (Cancer Causes Control 1993; 4: 441–448, Amer J Epidemiol 1994; 139: 1001–1007), waren die unteren Grenzwerte des Konsums 30 Gramm Alkohol und 40 Zigaretten täglich. Trotzdem war in beiden Studien die untere Schranke des Vertrauensbereiches für das relative Risiko nur wenig über 1 erhöht, die Signifikanz also eher grenzwertig. Das richtige Maß beim Trinken und Rauchen kommt auch den anderen Systemen des menschlichen Körpers zugute.


Prof. Dr. med. Ulrich Langenbeck
Institut für Humangenetik
Universitätsklinikum
Theodor-Stern-Kai 7
Haus 9 A
60590 Frankfurt

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