ArchivDeutsches Ärzteblatt15/1998Börsebius zur Rolls-Royce-Übernahme: German Raubritters

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zur Rolls-Royce-Übernahme: German Raubritters

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Es ist schon ein abenteuerliches und aufregendes Stück Automobilgeschichte, das sich vor unseren Augen abspielt. Immer wieder mußten die Engländer hochherrschaftliches Terrain preisgeben. Erst schluckte Ford Jaguar, dann BMW Rover, nun also nochmals die Münchner mit dem Superdeal Rolls-Royce.
In der Tat soll es auf der Insel (und nicht nur da) sogar Leute geben, die dieses Takeover gutheißen, genauer, den Ausgang des Schauspiels begrüßen, der da lautet: BMW schlägt VW auf der Zielgeraden, um Brustweite zwar, aber immerhin.
Die Frage, die sich uns nun stellt, ist gleichwohl eindeutig zu fokussieren: Welche Auswirkungen hat diese markante Änderung der Autoszene auf die Aktienkurse der einzelnen Kfz-Werte? Klare Frage, schwierige Antwort. Eine befriedigende Lösung kann hier nur gefunden werden, wenn es gelänge, die Gewinner und Verlierer herauszufiltern.
Da Branchenkennern zufolge die Etablierung einer neuen Luxusmarke rund 1,5 Milliarden Mark kostet, der Rolls-Royce-Kaufpreis aber "nur" über eine Milliarde Mark lautet, wäre hier VW schon mal als erster Verlierer festzuhalten. Daß die Wolfsburger nicht zum Zuge gekommen sind, ärgert Vorstandschef Piëch sowieso über alle Maßen.
Ob dieser narzißtischen Kränkung wird der Volkswagenoberste vermutlich keine Kosten und Mühen scheuen, "as soon as possible" einen eigenen Luxusschlitten zu präsentieren. Dieses Presti-geobjekt wird VW, das kann man getrost prognostizieren, noch so manche teure Mark kosten. Insoweit dürfte der Kurs von VW derzeit eher zu hoch sein.
Andererseits dürfte es mit der Milliarde Mark nicht getan sein, die BMW für Rolls-Royce zu zahlen hat. Experten gehen davon aus, daß sich die Kosten der Umstrukturierung nochmals auf zusätzliche drei Milliarden Mark belaufen dürften. Insider pfeifen sowieso beim Bier abends die Melodie, daß BMW den Leuten von Vickers/Rolls-Royce schlicht die Pistole vor die Brust gehalten hat, nach dem Motto: "Wenn wir euch nicht übernehmen können, liefern wir auch keine Motoren mehr." Ob das dem gemeinsamen Betriebsklima guttun wird, mag auf Sicht ohnehin bezweifelt werden.
Der lachende Dritte heißt möglicherweise Mercedes-Benz. Die Stuttgarter haben mit der wiedererweckten Nobelmarke Maybach ein Luxusauto in der Pipeline, dessen Entwicklung einerseits nicht zu teuer ist, anderseits aber einen prima vermarktbaren Mythos wieder aufleben läßt. So ein Erfolgserlebnis hätten die Schwaben nach dem Elchtest-Debakel auch dringend nötig. Die Voraussetzungen sind bestens, die Sache könnte also durchaus gutgehen. Börsebius
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