ArchivDeutsches Ärzteblatt15/1998Sterbebegleitung: Unumstößliches Entscheidungsrecht

SPEKTRUM: Leserbriefe

Sterbebegleitung: Unumstößliches Entscheidungsrecht

Krüger, Ursula

Zu dem Beitrag "Bundes­ärzte­kammer will Richtlinie nachbessern" von Gisela Klinkhammer in Heft 5/1998:
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LNSLNS In 30 Jahren Sterbewegbegleitung, Angehörigenberatung und medizinischer Pflege von Sterbenden und chronisch kranken Patienten habe ich zu 98 Prozent chronisch kranke, alte und hochbetagte Menschen kennengelernt, die es als "unabdingbares Grundrecht" ihres eigenen individuellen Lebens und Willens ansehen, durch Nahrungsverweigerung ihrem Leiden und Leben ein Ende setzen zu können und es meistens durch medizinische oder familiäre Fremdbestimmung nicht durften oder es auch heute noch nicht ausführen können. Ich, als einzelner Mensch, also ein emotionales Unikat, kann die sogenannten erwähnten Grundrechte (eine über den Kopf jedes einzelnen Menschen hinweg festgesetzte verallgemeinerte Behauptung einzelner sogenannter Fachleute) für mich und mein Leben persönlich annehmen und ablehnen.
Egal, wie alt der Mensch ist, sobald er 24stündlich körperlich und psychisch leiden muß, hat er das unumstößliche Recht, für sich zu entscheiden: leben, ja oder nein, Nahrungsaufnahme, ja oder nein.
Es wird Zeit, daß wir als Mitmenschen nicht unser eigenes, gesellschaftlich eingepredigtes introvertiertes schlechtes Gewissen als Meinung anderer ansehen, sondern die Meinung und den persönlichen Wunsch leidender Menschen akzeptieren.
Was den mutmaßlichen Willen bei Neugeborenen (welch eine Anmaßung) betrifft, sollten doch einmal alle auf das zurückkommen, wie Hippokrates seine Heilmethoden verstanden hat. Nicht lebenserhaltende Maßnahmen, egal um welchen Preis, sondern ein Hören und Sehen auf die durch die psychische Natur des menschlichen Lebens gesandten Signale der Seele, die psychosomatischen Äußerungen des Körpers. Das sollte übrigens bei jedem Menschen so gehandhabt werden. Ich habe außerdem noch keinen Appaliker so angetroffen, daß er in akutem Zustand seinen geistigen offenen Willen erklären konnte. Sieht das Ganze, wie bisher immer, nicht schon wieder nach Augenwischerei aus! Ich, der Arzt, weiß, was für dich, lieber Patient, am besten ist, basta! Körper, Geist und Seele sind eins! Nicht: Patientenkörper und Arztwille!
Ursula Krüger, Pflege-Therapeutin, An Steinhaus 1 A, 52146 Würselen
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