ArchivDeutsches Ärzteblatt15/1998Naturheilkunde: Harmonie nach Streit

SPEKTRUM: Leserbriefe

Naturheilkunde: Harmonie nach Streit

Lehmann, Hans-Joachim

Zu dem Kommentar "Über Naturheilkunde und das ,Ganze' in der Medizin" von Prof. Dr. med. Malte Bühring in Heft 8/1998:
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LNSLNS . . . Herr Bühring ist ein durch und durch freundlicher Mensch. Das ist auch sein Credo: im Grunde müßten Naturheilkunde und Schulmedizin nur etwas freundlicher miteinander umgehen, und alles wäre gut. Genau da liegt das Problem: gerade dieses kumpelhafte Auf-die-Schulter-Klopfen, mit dem sich die Naturheilkundler gegegenseitig bestätigen, angenehme Menschen und folglich wohl auch gute Fachleute zu sein, macht eine fruchtbare Diskussion so schwierig. Es ist ein Mißverständnis, "Philosophie" mit "Harmonie" gleichzusetzen. Um, wie Herr Bühring, Heraklit zu zitieren (denn der Satz "Man kann nicht zweimal in denselben Fluß steigen" stammt von diesem und nicht aus dem West-Östlichen Diwan): "Das Entgegengesetzte paßt zusammen, aus dem Verschiedenen ergibt sich die schönste Harmonie, und alles entsteht auf dem Wege des Streitens."
So ist es. Harmonie, schön und gut - aber nicht aus Freundschaft und Sympathie, sondern erst nach der Klärung durch einen guten Streit . . .
Von der Naturheilkunde (die chinesische Medizin eingeschlossen) ist dasselbe zu verlangen wie von der Schulmedizin: zuallererst die Bereitschaft, alle ihre Inhalte prinzipiell in Frage zu stellen - selbst dann, wenn sie durch noch so ehrwürdige Tradition und "Erfahrung" geheiligt zu sein scheinen. Der wirkliche Widerspruch ist nicht der zwischen Schulmedizin und Naturheilkunde, sondern zwischen vernünftig fundierter und unvernünftiger Medizin . . .
Hans-Joachim Lehmann, Arbeitskreis Kritische Akupunktur, Geiserichstraße 7, 12105 Berlin
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