ArchivDeutsches Ärzteblatt15/1998Österreichs Ärzte kritisieren Kassenpolitik

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Österreichs Ärzte kritisieren Kassenpolitik

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LNSLNS Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) hat auf ihrem Ärztetag Ende letzten Jahres gegen eine geplante Reform im System der Krankenkassen protestiert: Würden die bäuerlichen Krankenkassen durch die Gebietskrankenkassen übernommen, drohten den Ärzten durch niedrigere Honorare Einkommensverluste in Höhe von 250 Millionen Schilling. Außerhalb von Ballungsgebieten seien Arztpraxen dann nur noch schwer zu führen.
Die Kran­ken­ver­siche­rung dagegen rechne für 1997 mit Milliardenüberschüssen, erzielt durch "Kostendruck auf Patienten, Spitäler und Ärzte". Mittel dazu seien etwa Krankenscheingebühren oder die "Blockade neuer Organisationsformen" wie Gruppenpraxen oder der sogenannten medizinischen Hauskrankenbehandlung, die den Aufenthalt im Spital ersetzen soll.
Für Ausbildungsreform
Daneben forderten die Ärzte Veränderungen in der Ausbildung: Für sämtliche Medizinstudenten solle eine Phase des "Social Service" verpflichtend sein, mit anschließendem Wettbewerb um die begrenzte Zahl der Studienplätze. Es solle nicht mehr Plätze geben, als auch für die Weiterbildung verfügbar seien. Im Studium selbst solle verstärkt fallorientiert gelehrt werden, und danach sei "lebenslange Fortbildung" nötig.
Bisher gibt es für österreichische Medizinstudenten noch keine Zugangsbeschränkungen. Nach Angaben der ÖÄK erhalten jährlich 1 600 Ärzte die Berufsberechtigung, aber nur 600 werden wirklich gebraucht. Tatsächlich halten nach einer Umfrage der ÖÄK unter 3 507 Ärzten 86 Prozent der österreichischen Doctores das Medizinstudium für "veränderungsbedürftig" - je jünger die Befragten, desto höher die Prozentzahl. Gefordert wurden unter anderem mehr Praxisbezug und straffere Lehrinhalte, aber auch eine "Erweiterung und Ergänzung des Fächerkanons". Rund drei Viertel der Befragten plädierten für Verbesserungen bei der praktischen Ausbildung. Die ÖÄK hat dazu bereits sogenannte Rasterzeugnisse entwickelt, in welchen die Ausbildungsinhalte zu jedem Fach vorgeschrieben sind. Ausbilder müssen die Vermittlung der einzelnen Inhalte in den entsprechenden Rubriken bestätigen. Dazu kommen neue Lehr- und Lernzielkataloge mit detaillierten Beschreibungen der Ausbildungsinhalte und schließlich eine Arztprüfung nach abgeschlossener Weiterbildung.
Ärzte, die ihre Weiterbildung zum Facharzt oder zum Arzt für Allgemeinmedizin nach dem 31. Dezember 1996 begonnen haben, werden diese Prüfung künftig nach Maßgabe des Ärztegesetzes am Ende ihrer Weiterbildung ablegen müssen. Der Einführung von Rasterzeugnissen sowie Lernzielkatalogen dagegen muß das österreichische Ge­sund­heits­mi­nis­terium noch zustimmen. AE
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