ArchivDeutsches Ärzteblatt15/1998USA haben wieder einen „Arzt der Nation“

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USA haben wieder einen „Arzt der Nation“

Burkart, Günter

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LNSLNS Nach einem mehrjährigen Interregnum ist in der amerikanischen Regierung das Amt des "Surgeon General" wieder besetzt worden. Ernannt wurde der 57jährige Allgemeinarzt David Satcher, MD, PhD, der in den letzten fünf Jahren Direktor der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta, Georgia, gewesen ist. Dr. Satcher wird gleichzeitig stellvertretender Ge­sund­heits­mi­nis­ter.
Der Neubesetzung waren lange Kontroversen vorausgegangen, seit die in Präsident Clintons erster Amtszeit ernannte Joycelyn Elders, MD, 1994 wegen umstrittener Äußerungen über die Sexualität von Jugendlichen zurücktreten mußte. Die Bestätigung des vom Präsidenten vorgeschlagenen Nachfolgers Henry Foster, MD, wurde von einer konservativen Mehrheit im Senat verweigert, weil Dr. Foster zugab, in seiner ärztlichen Laufbahn Abtreibungen vorgenommen zu haben. Auch Dr. Satcher brauchte fünf Monate, bis der Senat seiner Ernennung zustimmte. Umstritten waren ebenfalls seine Einstellung zum Schwangerschaftsabbruch wie auch bestimmte Forschungsprojekte, die die CDC unter seiner Leitung durchführten.
Die Aufgabe des Surgeon General wird von vielen darin gesehen, daß er der Öffentlichkeit die Bedeutung medizinischer Erkenntnisse für die Volksgesundheit erläutern soll. Eines der markantesten Beispiele ist der Bericht von Luther Terry, MD, im Jahr 1964 über die gesundheitlichen Gefahren des Rauchens, der dann zu dem entsprechenden Warnhinweis auf jeder Zigarettenschachtel führte. Einem späteren Surgeon General, Everett Koop, MD, wird das Verdienst zugeschrieben, durch einen drastisch formulierten Bericht 1987 der amerikanischen Öffentlichkeit die Gefahren von AIDS ins Bewußtsein gebracht zu haben.
Durch die erst von Präsident Clinton eingeführte Verbindung mit dem Posten des stellvertretenden Gesundheitministers erwächst dem Surgeon General vor allem die Aufgabe, den Minister zu beraten. Man wird abwarten müssen, wie sich dies auf die Gesundheitspolitik der Regierung auswirkt. Für 1998 stehen im Parlament vor allem Gesetzentwürfe zur Verbesserung der Patientenrechte an. Ferner hat der Präsident seine Absicht angekündigt, das Medicare-Programm (Finanzierung von Gesundheitsleistungen für Rentner) auf die 55- bis 65jährigen auszudehnen. Dabei ist zu berücksichtigen, daß 1998 in den USA wieder ein Wahljahr ist: Das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel der Senatoren müssen neu gewählt werden. gb
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