ArchivDeutsches Ärzteblatt15/1998Homöopathie Argumente und Gegenargumente: Reiner Plazeboeffekt

MEDIZIN: Diskussion

Homöopathie Argumente und Gegenargumente: Reiner Plazeboeffekt

Förster, Werner

Zu dem Beitrag von Prof. Edzard Ernst MD PhD in Heft 37/1997
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LNSLNS Die vom Autor angeführte "offensichtliche Absurdität der homöopathischen Konzepte" müßte im naturwissenschaftlich geprägten 20. Jahrhundert jeden Arzt ohne weitere Beweise dazu bringen, die "Erfolge" der Homöopathie vorwiegend als Effekte einer Plazebowirkung einzuschätzen. Dies schließt eine bewußte ärztliche Anwendung nicht aus. Leider ist Ärzten zu wenig bekannt, wie weit jedes ärztliche Handeln in einem hohen Prozentsatz Plazeboeffekte einschließt. Postoperative Schmerzen zum Beispiel sprechen auf Milchzuckergabe um so besser an, je schwerer die Schmerzen und damit der Wunsch der Patienten nach Linderung der Beschwerden sind. Typisch für Plazeboeffekte ist die Aufhebung der naturwissenschaftlich geprägten Dosis-Wirkungsbeziehung. So kann ein Molekül Wirkstoff in einem Ozean verdünnt noch "pharmakologische" Effekte auslösen. Andererseits können in homöopathischen Tinkturen enthaltene, bisher noch nicht genügend untersuchte pflanzliche und andere Wirkstoffe auch echte pharmakologische Wirkungen ausüben. Sie dürften dann für Effekte verantwortlich sein, die nach der Analyse der Europäischen Union "über Nulltherapie oder Plazebo hinausgehen". Hier ist unter vielen homöopathischen Mischpräparaten weitere moderne pharmakologische Foschung notwendig. Zu bekämpfen ist aber ein durch die "Regenbogenpresse" oft genährter neuer Wunderglaube an nicht auf Naturgesetzen beruhende Effekte.


Prof. em. Dr. sc. med. Werner Förster
Schleiermachersraße 27
06114 Halle (Saale)


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