ArchivDeutsches Ärzteblatt14/1996Allergische Rhinitis: Stufenplan zielt auf die Eosinophilen

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Allergische Rhinitis: Stufenplan zielt auf die Eosinophilen

EB

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LNSLNS Den neuen Erkenntnissen in der Pathophysiologie trägt ein interdisziplinäres Konsensuspapier zur Therapie der nasalen Hyperreaktivität Rechnung: Die allergische Rhinitis ist mehr als eine banale, histaminvermittelte Reaktion; gesteuert über eine Vielzahl von Zellmediatoren entsteht vielmehr eine nasale Hyperreagibilität und eine chronische Entzündungsreaktion, die einer optimalen antiallergischen und antiinflammatorischen Therapie bedarf. Der neue Stufenplan sieht deshalb eine Mastzellstabilisation nur bei geringer Symptomatik ohne Obstruktion vor; Antihistaminika nehmen eine zentrale Stellung ein bei mäßiger bis starker Irritation und geringer bis mittlerer Obstruktion. Bei starker Symptomatik und Obstruktion ist eine Kombination mit topischen Steroiden angebracht. Je nachdem, welchen Arzt der Patient aufsucht, wird die allergische Rhinitis unterschiedlich behandelt. Das war nach Angaben von Professor Dr. Claus Bachert (Düsseldorf) einer der Gründe, warum sich Experten interdisziplinär zusammengesetzt und Richtlinien zur Therapie der nasalen Hyperreaktivität erarbeitet haben. Wie Bachert bei einer Veranstaltung der UCB Pharma im finnischen Saariselkä darlegte, hat die allergische Rhinitis in der Bundesrepublik eine Prävalenz von 15 Prozent. Doch nur rund drei bis vier Prozent der Betroffenen sind in regelmäßiger Behandlung. Dabei ist nach Worten des HNO-Arztes inzwischen eindeutig klar, daß der Heuschnupfen keine Bagatelle darstellt, sondern im weiteren Verlauf bei einem nicht unbeträchtlichen Teil der Pollinotiker zu einem Etagenwechsel führt, es entwikkelt sich ein Pollenasthma.
Pathophysiologisch ist sowohl in den oberen als auch den unteren Atemwegen die allergische Reaktion gesteuert durch eine Vielzahl von proinflammatorischen und allergieassoziierten Zytokinen; sie setzen über eine Aktivierung verschiedener Zellarten – unter anderem Eosinophile – und die Expression von Adhäsionsmolekülen eine Zellwanderungskaskade in Gang, die die lokale Entzündungsreaktion unterhält und perpetuiert.
Bei der allergischen Rhinitis, so Bachert weiter, ist diese gesteigerte Expression von Adhäsionsmolekülen nachgewiesen, ebenso die Einwanderung von Eosinophilen. Diese aktivierten Zellen schütten dann nicht nur ihren "giftigen Inhalt" aus, sondern verlängern auch ihre Lebensdauer. Der neue Stufenplan zielt darauf ab, die Einwanderung dieser Zellen zu verhindern. Dabei spielt die Mastzelle keine große Rolle mehr. Um die Migration der entzündungsfördernden Zellen in das "Gefahrengebiet" zu erschweren oder zu blocken, sind nicht in jedem Fall topische Steroide nötig – auch moderne Antihistaminika können diese Wanderungsphänome "eindämmen". So ist beispielsweise für Cetirizin (Zyrtec®) belegt, daß diese Substanz die Eosinophilen-Migration in die obere Schleimhaut vermindert. Eine systemische Therapie mit Zyrtec® wirkt nach Auffassung des HNO-Arztes bei der allergischen Rhinitis deshalb nicht nur der Sofort-, sondern in gewissem Umfang auch der Spätreaktion entgegen, die mit den Boden für die nasale Hyperreaktivität und die chronische zelluläre Entzündung bereitet. EB
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