ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2011Körperbilder: Robert CaPa (1913–1954) – Im Angesicht des Todes

SCHLUSSPUNKT

Körperbilder: Robert CaPa (1913–1954) – Im Angesicht des Todes

Schuchart, Sabine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Gegen Gewalt und Ungerechtigkeit kämpfte er mit seiner eigenen Waffe – einer Leica. Er dokumentierte fünf Kriege, wurde zu einem der herausragenden Fotografen des 20. Jahrhunderts. Robert Capa, der eigentlich André Friedmann hieß, stammte aus einer jüdischen Familie in Budapest, engagierte sich früh politisch links und musste deshalb Ungarn verlassen. Er emigrierte nach Deutschland, 1933 nach Paris und später in die USA. Gleich eines seiner ersten Kriegsbilder „Loyalistischer Soldat im Moment des Todes“ ging um die Erde und machte den 22-Jährigen weltberühmt: Am 23. September 1936 erschien die Aufnahme aus dem Spanischen Bürgerkrieg zuerst in der französischen Zeitschrift „Vu“, am 12. Juli 1937 im US-Magazin „Life“. In unzähligen weiteren Publikationen war der legendäre Schnappschuss danach zu sehen.

Robert Capa: „Loyalistischer Soldat im Moment des Todes. Cordoba front. 1936“: Es ist der 5. September 1936. In Spanien herrscht Bürgerkrieg. Ein Soldat, der aufseiten der republikanischen Regierung gegen die Putschisten unter General Franco kämpft, läuft über ein Stoppelfeld, dem Feind entgegen. In dem Moment, in dem der junge Kriegsfotograf Robert Capa auf den Auslöser drückt, wird der Kämpfer von einer Kugel in den Kopf getroffen, er geht in die Knie, taumelt nach hinten, das Gewehr fällt ihm aus der Hand. Der Betrachter sieht den fallenden Körper schon auf dem Boden liegen. Capa wurde durch das leicht unscharfe Bild, mit dem er den Augenblick des Todes sichtbar zu machen suchte, zum Mythos. Es gilt als das berühmteste Kriegsfoto der Welt, obwohl es Zweifel an der Authentizität der Aufnahme gibt. Foto: International Center of Photography/Magnum Photos
Robert Capa: „Loyalistischer Soldat im Moment des Todes. Cordoba front. 1936“: Es ist der 5. September 1936. In Spanien herrscht Bürgerkrieg. Ein Soldat, der aufseiten der republikanischen Regierung gegen die Putschisten unter General Franco kämpft, läuft über ein Stoppelfeld, dem Feind entgegen. In dem Moment, in dem der junge Kriegsfotograf Robert Capa auf den Auslöser drückt, wird der Kämpfer von einer Kugel in den Kopf getroffen, er geht in die Knie, taumelt nach hinten, das Gewehr fällt ihm aus der Hand. Der Betrachter sieht den fallenden Körper schon auf dem Boden liegen. Capa wurde durch das leicht unscharfe Bild, mit dem er den Augenblick des Todes sichtbar zu machen suchte, zum Mythos. Es gilt als das berühmteste Kriegsfoto der Welt, obwohl es Zweifel an der Authentizität der Aufnahme gibt. Foto: International Center of Photography/Magnum Photos

Warum der sterbende spanische Milizionär zur Ikone der Kriegsfotografie avancierte, lässt sich nur mit der Wucht der Assoziationen und Emotionen erklären, die das Bild beim Betrachter auslöst. Nicht aber mit seinem Informationsgehalt: Weder über den Ort des Geschehens noch den Getöteten lässt es viele Schlüsse zu. Es ist noch nicht einmal klar, ob das Foto wirklich authentisch ist. Womöglich handelt es sich dabei sogar um eine gestellte Szene, und Capa schoss das Foto statt im andalusischen Kriegsgebiet Cerro Muriano bei Córdoba, wie er erklärte, etwa 50 Kilometer südöstlich in einem Örtchen namens Espejo. Das behaupten jedenfalls Capas Kritiker, die nach seinem Tod den dokumentarischen Wert der Sterbeszene infrage stellten.

Der ungeheuren Kraft des Bilds als Symbol des ohnmächtigen Leidens und Sterbens im Spanischen Bürgerkrieg und des Widerstands gegen den Faschismus hat das Mysterium um seine Entstehung keinen Abbruch getan. Denn es waren ja gerade Capas politisches Engagement und seine außergewöhnliche visuelle Fantasie, die den „fallenden Soldaten“ zum Kunstwerk jenseits aller Tagesaktualität machten. Auch 75 Jahre später hat es nicht an Relevanz verloren und thematisiert in der Ausstellung „Frontline“ die aktuelle Frage nach der Macht von Bildern in Kriegen und Krisen. Dass Capa bei seiner Arbeit keinen Fronteinsatz scheute – gemäß seinem Motto „Wenn Deine Bilder nicht gut genug sind, dann warst Du nicht dicht genug dran“ –, bezahlte er mit dem Leben. Er starb im Indochinakrieg, als er am 25. Mai 1954 auf eine Landmine trat. Sabine Schuchart

Ausstellung

„Frontline“

NRW-Forum, Ehrenhof 2, Düsseldorf;

www.nrw-forum.de;

Di.–So. 11–20,
Fr. 11–24 Uhr;

23. September 2011 bis 8. Januar 2012 .

Alex Kershaw: „Robert Capa. Der Fotograf des Krieges”,
Biografie, 367 Seiten, Ullstein, 2004, 24 Euro

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote