ArchivDeutsches Ärzteblatt16/1998Behandlung der Migräneattacke und Migräneprophylaxe: Atlastherapie einsetzen

MEDIZIN: Diskussion

Behandlung der Migräneattacke und Migräneprophylaxe: Atlastherapie einsetzen

Dtsch Arztebl 1998; 95(16): A-965 / B-814 / C-770

Coenen, Wilfrid

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Prof. Dr. med. Kay Brune, Prof. Dr. phil. Wolf-Dieter Gerber, Priv.-Doz. Dr. med. Hartmut Göbel und Dr. med. Volker Pfaffenrat in Heft 46/1997
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LNSLNS Der Beitrag bietet eine klar gegliederte nosologische Abgrenzung der Migräne gegenüber anderen akuten Kopfschmerzformen und räumt auch mit einigen ätiologischen und therapeutischen Legenden auf. So wird der Vorstellung, die Migräne sei bedingt durch knöcherne Veränderungen der Halswirbelsäule, ebenso eine Absage erteilt wie der Annahme, eine Migräneattacke sei durch Chirotherapie oder Manualmedizin wirksam zu behandeln: Von 161 Patienten mit Kopfschmerzen unterschiedlicher Genese, die im Laufe von vier Jahren am Institut für Manualmedizin und Entwicklungstherapie untersucht und behandelt wurden, wiesen 41 eine neurologisch nachgewiesene Migräne auf (mit und ohne Aura). Bei keinem dieser Patienten gelang es, eine akute Migräneattacke durch chirotherapeutische Manipulation und/oder andere manualmedizinische Techniken in Dauer und Intensität wirksam zu beeinflussen. Dies gilt für die akute Migräneattacke! Anders sieht es dagegen bei der Intervallbehandlung und Migräneprophylaxe aus: Hier konnte durch eine manualmedizinische Spezialmethode, die Atlastherapie (ARLEN), bei 27 der betreuten Migränepatienten eine signifikante Minderung der Anfallshäufigkeit erreicht werden. Knapp zwei Drittel der Patienten konnten im Beobachtungszeitraum auf eine medikamentöse Prophylaxe verzichten. Alle diese Patienten wiesen allerdings segmentale Dysfunktionen der oberen Halswirbelsäule auf, denen im Rahmen dieser multifaktoriellen Erkrankung offensichtlich eine Triggerfunktion zukommt. Hervorzuheben ist, daß die Atlastherapie mit der klassischen Chirotherapie nicht identisch ist und auch nicht deren behandlungstypischen Risiken aufweist, weswegen sie beim gleichen Patienten beliebig oft eingesetzt werden kann. Aufgrund dieser Ergebnisse kann angenommen werden, daß diese Form der Manualmedizin imstande ist, bei geeigneten Patienten die Anfallshäufigkeit deutlich zu reduzieren und eine Einsparung von Medikamenten zu bewirken.


Dr. med. Wilfrid Coenen
Institut für Manualmedizin und Entwicklungstherapie
Pontarlierstraße 9 · 78048 Villingen


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