ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2011Randnotiz: Ohne Kochen keine Evolution

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Randnotiz: Ohne Kochen keine Evolution

Zylka-Menhorn, Vera

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Kein Leben ohne Nahrung, das ist klar. Doch keine Evolution ohne Kochen – wer hätte das gedacht? Wie unsere Vorfahren das Kochen erfanden und damit endlich etwas Warmes in den Magen bekamen, zählt nämlich zu den revolutionären Fortschritten in der Geschichte der Menschheit: Die Evolutionsbiologen Chris Organ und sein Team von der Harvard University haben herausgefunden, dass der Mensch bereits vor 1,9 Millionen Jahren das Kochen erfand – und dass er damit seine Überlebenschancen und die Fitness seiner Art signifikant verbesserte (PNAS 2011 doi: 10.1073/pnas. 1107806108). Denn die kalorisch höherwertigen Mahlzeiten führten zu einer gestiegenen Reproduktionsrate; die größere Zahl an Nachkommen ließ den Fortbestand der Spezies wahrscheinlicher werden.

Die Forscher gehen davon aus, dass das langfristige Überleben des Homo sapiens allein durch Rohkost fraglich gewesen wäre. Denn wer gegarte oder gekochte Nahrung zu sich nimmt, die sehr viel leichter, ergiebiger und schneller zu verdauen ist als Rohkost, spart Kau- und Verdauungszeit. Außerdem erhöht Gekochtes den Energieertrag aus der Nahrung, der Body-Mass-Index steigt, und das Gehirn konnte sich besser entwickeln. Das Erfinden des Kochens gilt somit als Voraussetzung für die Entwicklung des Homo sapiens. Evolutionsbiologe Organ knüpft mit seiner Veröffentlichung an Charles Darwin an, der bereits 1871 in seinem Werk „Die Abstammung des Menschen“ (Kapitel 5) die evolutionäre Bedeutung des Kochens und Wärmens vermutet hatte, aber auch an den in Harvard lehrenden Anthropologen Richard Wrangham, der 2009 veröffentlichte, dass uns das Kochen zum Menschen machte.

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