ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2011Suizidbeihilfe: Schaffung klarer Rahmenbedingungen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Auch wenn ich den Autoren in Vielem zustimme, etwa in ihrer Forderung nach dem Ausbau sterbebegleitender Versorgungsformen, entsprechender Aus- und Weiterbildung, Betonung des Fürsorgegedankens und Beibehaltung der Norm, nach der die aktive Tötung eines Menschen weder Ärzten noch anderen Bürgern erlaubt ist, so sehe ich doch in drei Punkten Korrekturbedarf:

1. Natürlich werden es gerade palliativmedizinisch tätige Kollegen als persönliches Scheitern empfinden, wenn Patienten, was ja vorkommt, trotz intensiver Bemühungen den Wunsch nach Sterbehilfe äußern. Wenn die Autoren allerdings in diesem Zusammenhang auf das „gemeinsame Aushalten von Leid und Verzweiflung“ verweisen, dürfen sie bei aller Empathie nicht verschweigen, dass beides doch vor allem die Lage des Patienten kennzeichnet. Der auch palliativmedizinisch (zum Glück oder leider) nicht allmächtige Arzt, der vom todessehnsüchtigen Patienten das Aushalten von Leid fordert, verlässt den Boden der Fürsorge und begibt sich auf das Terrain der Bevormundung und Entmündigung.

Anzeige

2. Das vermeintliche moralische Paradox löst sich auf, wenn man sich vergegenwärtigt, dass nicht der Todeswunsch des Patienten einer Legitimation bedarf, sondern das Vorhaben desjenigen (Arztes), der Sterbehilfe leisten – also töten will. Hier reicht der Verweis auf die Patientenautonomie natürlich nicht aus, wie ja auch sonst ärztliches Handeln nicht durch den Patientenwillen allein, sondern erst in Verbindung mit der eindeutigen Indikation begründet wird. Die Indikation zur Sterbehilfe muss allerdings mit außerordentlicher Strenge unter Beachtung festgelegter Sorgfaltskriterien gestellt werden.

3. Die Autoren räumen ein, dass im Ausnahmefall ein Arzt aus Gewissensgründen als letzte Lösung die Assistenz beim Suizid sehen kann und schlagen vor, dass die entsprechenden standesrechtlichen Gremien seine Gründe reflektieren mögen und nicht den Stab über den Arzt brechen müssen. Kann er sich darauf verlassen? Muss der genannte Arzt nicht doch um seine Approbation fürchten? Hilfreicher wäre die Schaffung klarer, außerordentlich enger Rahmenbedingungen, innerhalb derer Sterbehilfe und assistierter Suizid sanktionsfrei möglich sind.

Friedhelm Berlitz, St.-Lukas-Klinik GmbH,
42697 Solingen

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Stellenangebote