ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2011Börsebius: Ehrliche Beichte

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Börsebius: Ehrliche Beichte

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Von den absurdesten Versuchen, an anderer Leute Geld zu kommen, schreibe ich an dieser Stelle ja immer wieder, sei es die berühmt-berüchtigte Nigeria-Connection, bei der (abwechselnd) irgend ein Stammesfürst, Prinz oder Rebellenführer über einen millionenschweren Schatz berichtet, den es zu heben gilt, und genau daran könne der Empfänger der Botschaft in Deutschland teilhaben. Oder aber, wie in meinem Beitrag „Fette Beute“ (DÄ, Heft 23/2011), wo sich einem Berliner Leser ein gewisser „Andrew Marquez“ als rechtlicher Konsul von „ Marquez Lawyers“ anbot, ein gewaltiges Erbe von 32 000 000 US-Dollar an den nunmehr (gottlob) gefundenen Erben auszahlen zu können und auch zu wollen.

Bei meinen Börsebius-Telefonberatungen kommt denn auch dieses Thema regelmäßig zur Sprache, immer mit dem Tenor, das sei ja ganz spaßig, wenn ich vor solchen Betrügern warnte, aber wer, um alles in der Welt, falle denn heute noch auf solche durchsichtigen Manöver herein?

Just erhalte ich Post einer Leserin und diesen bemerkenswerten Inhalt will ich Ihnen nicht vorenthalten.

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„Letztes Jahr im November wurde uns das beschriebene 32 Millionen-Erbe angeboten, und wir sind voll Wucht darauf reingefallen. Noch nie in unserem Leben haben wir drei so entsetzlich aufregende Wochen erlebt. Nachdem wir uns ein Faxgerät kaufen mussten, begann eine atemberaubende Korrespondenz, die dahin führte, dass mein Mann tatsächlich zu Dr. James Dellington nach Lissabon geflogen ist (nachdem er, wegen der Bank, Krawattenknoten geübt hatte), um gegen eine Versicherungsgebühr von 10 200 Euro das Erbe in Empfang zu nehmen. Er sah sogar den Tronc mit dem Geld und bekam davon 200 Dollar auf die Hand.

Aber leider spielte dann das portugiesische Finanzamt nicht mit. Nach der Androhung einer fünfjährigen Gefängnisstrafe oder Geldstrafe von 320 000 Euro wegen Steuerhinterziehung suchten wir einen Anwalt auf. Wir glaubten immer noch alles und hatten eine irrsinnige Angst. Der Anwalt hat uns dann die Augen geöffnet.

Nach anfänglichem Ärger (der Spass hat uns doch circa 12 000 Euro gekostet) haben wir herzlich und befreit gelacht. Eigentlich müssten wir unseren Erfahrungsbericht international bekannt machen, wir wissen aber nicht, wie. Dr. Dellington macht immer noch weiter. Übrigens: Das Erbe beträgt nur noch 31 999 800 Euro. Mit freundlichen Grüßen.“

Soweit der Wortlaut im Original, wobei ich den Namen der Briefeschreiberin weggelassen habe. Natürlich war das vermeintliche Finanzamt von Betrüger fingiert.

Was lehrt uns das? Zum einen, es gibt nichts, was es nicht gibt. Zum anderen, dem ehrlichen Briefeschreiber gebührt großer Respekt verbunden mit einem aufrichtigen Dankeschön. Sich eingestehen, auf einen Betrüger hereingefallen zu sein, ist an sich schon etwas wert. Es anderen mitzuteilen, damit nicht noch mehr Menschen Schaden erleiden, dazu bedarf es schon einer gewissen Größe. Das schafft noch lange nicht jeder. Alle Achtung.

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