ArchivDeutsches Ärzteblatt15/1996Börsebius über Beteiligungen: Lustverlust-Verlustzuweisung?

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Börsebius über Beteiligungen: Lustverlust-Verlustzuweisung?

Rombach, Reinhold

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LNSLNSLNSLNS Da kam mir doch dieser Tage bei einigem Nachdenken über Sinn und Unsinn von Steuersparmodellen der Gedanke, die in den Hochglanzprospekten vielgepriesene Verlustzuweisung in Lustverlust-Verlustzuweisung umzutaufen, weil später oft genug der Jammer über den Investitionsbrocken am Hals die anfängliche Lust verjagt.
Aber halt, des Wortungetüms bedarf es vielleicht doch nicht. Bei genauem Hinsehen steckt ja schon im Wort Verlust selbst das Abhandenkommen der Lust, man müßte eigentlich bloß höllisch aufpassen, welchen doppelten Boden so eine Prospektetikette beherbergen kann. Und wer dann noch darauf achtet, daß einem im nämlichen Wort auch noch der Verlust der Lust zugewiesen wird, na bitte, der kann sich sowieso seinen Reim darauf machen.
Als prima Exempel dafür können ohne weiteres Schiffsbeteiligungen herhalten. Es ist zwar unbestritten, daß die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten (Verlustzuweisungen etc.) ganz enorm sind, dreist hoch eigentlich und volkswirtschaftlich fragwürdig sowieso. Wahr ist aber auch, daß die Rendite vor Steuern so um zwei Prozent, bestenfalls drei Prozent vor sich hin schrumpelt. Wehe also, wenn die prospektierten Frachterträge hinter den Erwartungen zurückbleiben oder der Kahn sich nach acht Jahren nicht verscherbeln läßt. Spätestens dann wird klar, daß die Investitionslust in einen schweren Kapitalverlust konvertiert.
Die Überkapazitäten im Schiffsbau sind dermaßen enorm, daß sich nach einer gewissen Inkubationszeit das Elend von ganz alleine einstellen wird. Beim Bremer Vulkan übrigens dürfte das Debakel sogar recht bald kommen. Auch dort konnten sich gut verdienende Anleger an etlichen Schiffsbeteiligungen verdingen und werden aber bald merken, daß sie sich ihre Verlustzuweisung mit eigenem Geld subventioniert haben.
Ähnliches gilt für geschlossene Immobilienfonds. Der sogenannte Zweitmarkt, wo also Beteiligungen einigermaßen kapitalschonend zurückgegeben werden können, ist schlichtweg nicht existent, auch wenn Sie mündlich zugesichert bekommen, es gebe einen. Vorsicht ist auch angebracht vor dem Kauf gebrauchter britischer Lebensversicherungen, besonders in Verbindung mit einer Kreditfinanzierung. Es gibt etliche unseriöse Vermittler, denen man leicht auf den Leim gehen kann. Und das wird einem sowieso meist verschwiegen: Die Erträge aus einer englischen gebrauchten Lebensversicherung sind nicht steuerfrei. Wieder nichts mit dem Lustgewinn. Börsebius
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