ArchivDeutsches Ärzteblatt15/1996Novel-Food-Verordnung: Trau, schau wem!

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Novel-Food-Verordnung: Trau, schau wem!

Dtsch Arztebl 1996; 93(15): A-925 / B-706 / C-646

Korzilius, Heike

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LNSLNS Novel Food – die schöne neue Welt der gentechnisch veränderten Lebensmittel muß geregelt werden. Darüber sind sich die Brüsseler Politiker und Eurokraten einig. Das "Wie" ist hier die Frage, wenn es beispielsweise um die Kennzeichnung veränderter Nahrungsmittel geht. Wieviel Information vertragen die Verbraucher? Denn die sollen schließlich mit dem neuartigen Essen ihren Speiseplan anreichern. Soll man sie im Rahmen einer umfassenden Kennzeichnungspflicht in jedem Fall mit dem Wissen belasten, daß ihr Gemüse im Genlabor ein "klein wenig" bearbeitet wurde? Oder werden sie – in aller Unkenntnis – nicht vielmehr freudig überrascht sein, wenn sie feststellen, daß ihre im Kühlschrank vergessenen Erdbeeren auch nach drei Wochen noch knackig frisch sind?
Darüber gehen in Brüssel nun schon seit Monaten die Meinungen auseinander. Der Europäische Ministerrat und die Europäische Kommission wollen die Verbraucher nicht verwirren und plädieren für eine Kennzeichnung nur dann, wenn die Lebensmittel "signifikant" verändert wurden. Das war dem EuropaParlament zu vage. Statt dessen wollen die Parlamentarier alle Lebensmittel kennzeichnen, die sich von ihren "natürlichen Artgenossen" chemisch unterscheiden. Außerdem fordern sie eine Kennzeichnung auch für solche Lebensmittel, deren landwirtschaftliche Merkmale verändert wurden, beispielsweise, wenn Pflanzen mittels gentechnologischer Veränderungen resistent gegen Unkrautvernichtungsmittel gemacht wurden. Falls der Rat die Forderungen des Parlaments nicht akzeptiert, muß das Regelwerk in den Vermittlungsausschuß – und die Verbraucher warten weiter ab, wie über ihr Informationsbedürfnis entschieden wird.
Daß es keineswegs unwichtig ist, was man ißt, wissen vor allem Allergiker. So haben kürzlich amerikanische Wissenschaftler entdeckt, daß Menschen mit einer ausgeprägten Nußallergie stark reagierten, als sie in einem Hauttest mit gentechnisch veränderten Sojabohnen in Berührung kamen. Den Bohnen war ein Gen der Paranuß eingepflanzt worden. Die amerikanische Firma hat inzwischen darauf verzichtet, ihre "Gen-Bohnen" auf den Markt zu bringen. Heike Korzilius
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