ArchivDeutsches Ärzteblatt15/1996Medizinstudium: Patienten erleben
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS . . . "Ein Selbstläufer dürfte die Absicht sein, die Medizinstudenten frühzeitig auf allgemein- und hausärztliche Qualifikationen hinzuweisen und ausreichendes Basiswissen insbesondere in den kleinen klinischen Fächern zu vermitteln", schreibt der Autor. Weiter vorn heißt es: "Der vorklinische und der klinische Abschnitt des Medizinstudiums sollen besser verzahnt und möglichst frühzeitig soll während des Studiums fächerübergreifender Unterricht am Krankenbett erteilt werden."
Als Methode des praktischen Unterrichts wird also ausdrücklich das Krankenbett genannt, von ambulanter Tätigkeit, von der Arbeit am unausgelesenen Patientengut überhaupt keine Rede. Und so kommt es, daß am Schluß der junge Arzt immer wieder hilflos vor den alltäglichen Problemen (weit unter der Schwelle der universitären Aufmerksamkeit) steht und auf dieser Ebene vieles unterlassen wird, was das Schicksal des Patienten durchaus positiv verändern könnte, oder umgekehrt, jeder geringfügige Anlaß zu einer kostenaufwendigen großen Diagnostik genommen wird, aus der Unsicherheit der Beurteilung der Schwere der Erkrankung beziehungsweise der Gefahren oder der Banalität. Diese Dinge werden "am Krankenbett" eben nicht zu unterrichten sein . . .
Kein Zweifel ist an der Notwendigkeit einer soliden wissenschaftlichen Grundausbildung gestattet, aber diese Grundausbildung muß sich an unzähligen, völlig unausgelesenen Patientenproblemen bewähren. Der angehende Arzt muß Patienten erleben, denn wesentlich für das Bild der Krankheit ist die Verarbeitung der Krankheit durch den Patienten . . .
Dr. med. Diethard Sturm, Weinkellerstraße 20, 09337 Hohenstein-Ernstthal
Anzeige

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Stellenangebote