ArchivDeutsches Ärzteblatt15/1996Medizinstudium: Gegenthese
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Ich hätte gern gewußt, von wem die Forderungen kommen, das Medizinstudium praxisgerechter zu gestalten. Als Gegenthese könnte man der Ansicht sein, daß ich nach dem Examen als Arzt später wahrscheinlich noch etliche Jahrzehnte hausärztliche und ärztliche Tätigkeiten ausüben muß, die ich nicht unbedingt schon in den ersten beiden Semestern des Studiums lernen muß.
Ich werde nirgends und niemals mehr außerhalb des Studiums Gelegenheit haben, so intensiv die geballte Entwicklung der Technik und Theorie in so kompakter Form zu lernen wie im Studium. Praxis muß ich später immer noch lange Jahre machen, als Anfänger indes weiß ich ja in der Regel meist nicht, was für Fragen speziell zur Anamnese bei gewissen Krankheitsbildern indiziert sind. Die praktischen Fertigkeiten erlerne ich in der Regel unter Anleitung von Kollegen relativ schnell, insbesondere auch von Kollegen, die selbst in der Ausbildung sind.
In Gesprächen mit Medizinstudenten, die teilweise hier ihr Praktikum ableisten, wird meine Ansicht im wesentlichen bestätigt. Nachdem die Praktikantenphasen im Verlauf des Studiums bereits stark (PJ, AiP) ausgedehnt worden sind, sollten sie meiner Meinung nach während der Studienzeit nicht weiter verlängert werden.
Zuzustimmen ist, daß die Grundlagen in Kernfächern wie Anatomie, Biochemie, aber auch Physik und Zoologie ganz wichtig sind, wenn auch anfangs beim Studium nicht so gern gesehen. Die teilweise unsachlichen Diskussionen über die Folgen von Röntgenstrahlung und CO2-Belastung der Umwelt würden uns soweit wie möglich erspart bleiben, da diese oft nur von halbgebildeten Laien geführt werden.
Dr. med. Christoph Broy, Kortiumstraße 47, 44787 Bochum

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Stellenangebote