ArchivDeutsches Ärzteblatt15/1996Arzthelferinnen – Verantwortlich: der Doktor
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LNSLNS Ihren Artikel über dieses Thema haben wir geradezu mit Entsetzen gelesen. Hier wurde lang und breit ein Symptom untersucht, aber der Erreger, sprich Verantwortliche für den physischen und psychischen Zustand der Arzthelferinnen nicht beim Namen genannt. Das ist in der Regel nämlich nicht der Patient und die berufliche Belastung, sondern in erster Linie der Doktor selbst!
Er allein ist meist die Ursache der "frustrierenden und belastenden Erfahrungen", der "enttäuschten Erwartungen", er ist die Ursache, daß die Helferin "keine Anerkennung findet". Er hat es meist nie gelernt, neben der Medizin auch Leiter seiner Praxis zu sein, neben der fachlichen Ebene sich auch auf der menschlichen und Führungsebene weiterzubilden. Wie soll jemand, der in der Praxis den ganzen Tag nur über EBM, Punktwertverfall, Zeitdruck, Überforderung und ähnliches jammert, ein positives Vorbild für seine Helferinnen sein? Zusätzliche Desorganisation im Arbeitsablauf, Unkenntnis der Grundregeln der Kommunikation, Unfähigkeit der eigenen Zeit-, Arbeits- und Lebensorganisation, Mangel eigener Zielvorstellungen, keinerlei Weiterbildung als Führungspersönlichkeit usw., wie soll so jemand Arzthelferinnen führen und motivieren?
Der Arzt selbst ist das Problem, hier muß der Hebel angesetzt werden, wollen wir für unsere Damen bessere Arbeitsbedingungen. Helferinnenworkshops helfen hier sicher nur teilweise ab.
Diese Zeilen schreiben keine Theoretiker, sondern zwei seit fast 20 Jahren niedergelassene Kassenärzte in einer großen Praxis auf dem Lande mit 12 Helferinnen, die sich seit Jahren mit diesen Problemen und auch deren Lösungen in der Praxis befassen. Wir, sowohl Helferin als auch Arzt, freuen uns jeden Tag auf unsere Patienten und auch das Miteinander. Wörter wie Burnout sind bei Arzt und auch bei Helferinnen, die seit Anfang bei uns sind, auf der Fremdwortliste. Ein Team, das begeistert und gerne arbeitet, ist auch im Praxisbereich möglich, nur muß man hier genauso wie in Geräte und in fachliche Weiterbildung investieren.
Seit über zwei Jahren halten wir zur Lösung dieser Problematik Seminare ab. Die Hauptschwierigkeiten, für die Lösungen gesucht werden, sind immer wieder die, die Sie in Ihrem Artikel angesprochen haben. Die Praxis hat gezeigt . . . , daß sehr viele Veränderungen möglich sind . . .
Dres. med. Adelheid und Karl-Heinz Deuser, Hauptstraße 83/1, 75334 Straubenhardt
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