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Medizin-Nobelpreis: Wie das Immunsystem kommuniziert

Dtsch Arztebl 2011; 108(40): A-2062 / B-1758 / C-1742

Zylka-Menhorn, Vera

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Die Immunologie steht im Fokus des diesjährigen Nobelpreises für Medizin und Physiologie. Eine Hälfte des Preisgeldes von etwa einer Million Euro teilen sich der US-Amerikaner Bruce Beutler und der Luxemburger Jules Hoffmann für Entdeckungen zur Aktivierung der angeborenen (unspezifischen) Immunabwehr. Die andere Hälfte erhält der Kanadier Ralph Steinman für seine Entdeckung der dendritischen Zellen und ihre Rolle in der erworbenen (spezifischen) Immunität. Der Forscher erhält den Preis posthum, eine Ehrung, die die Statuten des Nobelpreises eigentlich nicht vorsehen. Steinman war erst am 30. September im Alter von 68 Jahren an den Folgen eines Pankreaskarzinoms gestorben. Da die Jury ihm den Preis zusprach, im Glauben, er würde noch leben, bleibt der Verstorbene nun Nobelpreisträger.

Die drei Immunologen forschten zwar parallel, aber völlig unabhängig voneinander: Hoffmann an der Fruchtfliege Drosophila, Beutler an Mäusen und Steinman mit Zellkulturen. Durch die Forschungen der Wissenschaftler sei das Rätsel gelüftet worden, wie die beiden Arme der menschlichen Immunabwehr aktiviert werden und miteinander kommunizieren, heißt es in der Begründung des Nobelpreiskomitees. Auf Basis ihrer Arbeiten seien Impfstoff-, Aids- und Krebsforschung maßgeblich vorangetrieben worden.

Die angeborene Immunabwehr gilt als erste Verteidigungslinie für eindringende Viren, Bakterien und andere Krankheitserreger. Dabei binden sich – wie von Beutler und Hoffmann entdeckt – Teile der Mikroorganismen an sogenannte Toll-ähnliche Rezeptoren (TLR) von Makrophagen und anderen Zellen. Allerdings ist diese Reaktion unspezifisch. Um gezielt gegen einzelne Erreger vorzugehen, muss die zweite Verteidigungslinie, das erworbene oder spezifische Immunsystem, mit seinen T- und B-Lymphozytenzellen in Stellung gebracht werden. Die T-Lymphozyten werden durch die von Steinman 1973 entdeckte dendritische Zelle aktiviert. Was heute als Basiswissen gilt, war lange Zeit auf Widerstände gestoßen. Doch Steinman hatte beharrlich und geduldig seinen wissenschaftlichen Weg verfolgt.

Er hatte bis zuletzt das Zentrum für Immunologie und Immunkrankheiten an der Rockefeller University in New York geleitet. Der 53-jährige Beutler ist Professor für Genetik und Immunologie am Scripps-Forschungsinstitut in La Jolla/Kalifornien. Hoffmann (70) leitete zwischen 1974 und 2009 das Institut de Biologie Moléculaire et Cellulaire in Straßburg. Dr. med. Vera Zylka-Menhorn

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