ArchivDeutsches Ärzteblatt15/1996Kuren – Kurarzt: Schwächstes Glied
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LNSLNS Nach zehnjähriger Erfahrung als leitender Arzt einer Reha-Einrichtung bleibt mir nur festzustellen, daß der "Kurarzt" das schwächste Glied im Interessengeflecht Leistungsträger/privater Klinikbetreiber/örtliche Kurdirektion ist. Ich habe mir mehrmals erlaubt, im Abschlußbericht das Erfordernis weiterer Heilverfahren zu verneinen, immer ohne Konsequenzen. Im Gegenteil wurde einem Patienten unverändert jährlich ein sechswöchiges Heilverfahren genehmigt, obwohl ich mehrfach im Abschlußbericht ein vierwöchiges Heilverfahren in mehrjährigem Abstand für ausreichend hielt. Wenn das Leistungsbild im Abschlußbericht bezüglich Arbeitsfähigkeit, Berufsfähigkeit, Erwerbsfähigkeit nicht den Vorstellungen des Patienten entspricht, kann es Ärger mit dem Klinikbetreiber geben, welcher "zufriedene" Patienten will. Wenn man als Arzt im speziellen Fall Krankengymnastik für den Patienten für wichtiger hält als die örtliche Therme, kann einem Ärger mit der Kurdirektion ins Haus stehen, da man nicht genügend an das Wohl des Ortes denkt.
Also verzichtet man lieber auf genaue Diagnosen, fragt den Patienten, was er für Anwendungen haben möchte, ob er wieder arbeiten und wann er wieder zur Kur kommen möchte – und alle sind zufrieden. Das ist erlebte Realität, da regt man sich über nicht eingehaltene Diät und Alkoholrestriktion oder über weggeworfene Medikamente gar nicht erst auf.
Dr. Rolf Klimm, Bach 2, 83093 Bad Endorf
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