ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1998Ärztlicher Notfalldienst: Wiesbadener Modell setzt auf enge Kooperation

POLITIK: Aktuell

Ärztlicher Notfalldienst: Wiesbadener Modell setzt auf enge Kooperation

Dtsch Arztebl 1998; 95(18): A-1080 / B-917 / C-861

Spielberg, Petra

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS In Wiesbaden erproben Vertragsärzte und Kliniker eine neue Form der Zusammenarbeit bei der Notfallversorgung. Die Kassen reagieren noch zurückhaltend auf das Modell.
Wenn Patienten aus Wiesbaden abends oder am Wochenende krank werden, wählen sie eine zentrale Rufnummer für ärztliche Hilfe. Dies ist seit Jahren so. Neu ist, daß der vertragsärztliche Notdienst der hessischen Landeshauptstadt seit April mit einer klinischen Einrichtung bei der Notfallversorgung zusammenarbeitet. Während der sprechstundenfreien Zeiten versorgen über 40 Wiesbadener Ärztinnen und Ärzte Notfälle nun in eigens hierfür umgebauten Räumen in der Asklepios-Paulinen-Klinik im Zentrum der Stadt. Als "bundesweit bislang einmalig" bezeichnet Ekkehard Ludwig, Geschäftsführer der Bezirksstelle Wiesbaden der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, die Kooperation zwischen dem Krankenhaus und den niedergelassenen Ärzten. Das Besondere sei, daß die Notdienst leistenden Ärzte nicht einfach stationäre Ambulanzräume mit benutzten, sondern zwei eigene Sprechzimmer unter dem Dach der Klinik hätten. "Darüber hinaus wurde für den vertragsärztlichen Notdienst ein eigenständiger Empfangs- und Wartebereich eingerichtet", berichtete Ludwig bei der offiziellen Eröffnung der Notfallambulanz. An den Umbaukosten von 1,4 Millionen DM habe sich die Notdienstgemeinschaft Wiesbadener Ärztinnen und Ärzte mit 350 000 DM beteiligt, sagte deren Obmann Dr. med. Hans-Jürgen Lührs. Dafür müßten die Vertragsärzte 15 Jahre lang keine Miete für die neue Dienststelle zahlen. Während die Ärzte tagsüber ihre normalen Sprechstunden abhalten, nutzt die Klinik, die schon seit Anbeginn eine stationäre Notfallambulanz vorhält, die Räume für ihren Bedarf. "Durch die Kooperation wollen wir die Versorgung der mehr als 20 000 Notfallpatienten im Jahr verbessern", erklärt der Ärztliche Leiter der PaulinenKlinik, Prof. Dr. med. Reiner Loth. Einige Krankheitsbilder ließen sich schneller abklären, da die Vertragsärzte auf klinische Einrichtungen wie Labor, Radiologie und Computertomograph zurückgreifen könnten. Daneben strebt die Notdienstgemeinschaft eine enge Zusammenarbeit mit niedergelassenen Fachärzten an. Ein Pädiater, ein Augenarzt und ein Kollege für Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen leisteten bereits freiwillig Hintergrunddienst. "Für den jeweils diensthabenden Ambulanzarzt und seine beiden Kollegen auf Hausbesuch sind sie eine wichtige Stütze", betont Lührs. Angestrebt werde außerdem, die Zahl der Hausbesuche zu reduzieren.
Hohe Anforderung
an die Qualifikation
Um eine qualifizierte Notfallversorgung zu gewährleisten, setzt die Notdienstgemeinschaft hohe Maßstäbe. Regelmäßige Fortbildung in Herz-Lungen-Wiederbelebung, die Fachkunde Rettungsdienst und das Colloquium Intensivmedizin müssen die Ärztinnen und Ärzte im Notdienst mindestens vorweisen. Die Krankenkassen reagieren bislang zurückhaltend auf die neue Struktur der Notfallversorgung; sie sollen aber nach den Vorstellungen der KV zumindest für eine gemeinsame Analyse des Modells gewonnen werden. Petra Spielberg
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema