ArchivDeutsches Ärzteblatt15/1996Lumbalsyndrom: Gravierende Komplikationsmöglichkeiten
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LNSLNS In dem Beitrag wird ausgeführt: "Beim Lumbalsyndrom mit und ohne radikuläre oder pseudoradikuläre Ausstrahlung sind . . . paravertebrale Injektionen indiziert, und zwar täglich und eventuell ergänzt durch epidurale Injektionen ein- bis zweimal pro Woche." Hierzu möchte ich anmerken, daß der therapeutische Effekt dieser Maßnahmen mehr als zweifelhaft ist und daß die schwerwiegenden Komplikationsmöglichkeiten dieser Verfahren in Betracht gezogen werden müssen. Da die lumbosakralen Nervenwurzeln im Bereich des Foramen intervertebrale bindegewebig fixiert sind und daher der vordringenden Nadel nicht ausweichen können, sind mechanische Schädigungen von Nervenwurzeln (beziehungsweise von den begleitenden Radikulararterien) mit teilweise persistierenden Lähmungen und therapierefraktären Schmerzsyndromen möglich. Darüber hinaus sehen wir nach paravertebralen Injektionen jährlich drei bis vier Patienten mit epiduralen Abszessen mit begleitender Querschnittslähmung. Im Hinblick auf diese gravierenden Komplikationsmöglichkeiten halte ich paravertebrale Injektionen in der Therapie des Lumbalsyndroms für obsolet, und es ist mir unverständlich, wie ein Forum der Bundesärztekammer eine solche Empfehlung aussprechen kann.
Prof. Dr. Manfred Stöhr, Zentralklinikum Augsburg, Neurologische Klinik mit klinischer Neurophysiologie, Stenglinstraße 2, 86156 Augsburg

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